Marktcenter-Anbindung diskutiert / Einbeziehen der Bullen-Insel?

Ein Boulevard ist nicht genug

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Das Marktcenter als Chance oder Risiko? Dazu gab es aus dem Publikum verschiedene Fragen und Anregungen.

Uelzen. Eine Art Boulevard mit Bäumen, einheitlich gepflastert, mit schicker Beleuchtung und klar beschildert – so könnte eine Anbindung des Marktcenters an die Uelzener Innenstadt möglicherweise aussehen.

Doch das allein, und das wurde am Donnerstagabend im Uelzener Rathaus mehr als deutlich, wird ganz sicher nicht ausreichen. Studenten der Ostfalia Hochschule, die das Verhältnis Marktcenter-Kernstadt untersucht hatten und an diesem Abend der Öffentlichkeit präsentierten, und ihr Professor Arnd Jenne gaben deswegen den rund 100 Zuhörern im Ratssaal eine zentrale Botschaft mit auf den Weg: Soll das Miteinander von Marktcenter und Innenstadt-Einzelhandel gelingen und gedeihlich sein, müssen alle an einem Strang ziehen. Und dabei sollten sich vor allem die Geschäftsleute im Zentrum angesprochen fühlen, so der Stadtentwicklungs-Experte Jenne.

In drei Monaten wird voraussichtlich die Baugenehmigung für das Marktcenter vorliegen, im Spätsommer wohl Baubeginn sein, skizzierte Uelzens Baudezernent Karsten Scheele-Krogull eingangs den zeitlichen Ablauf und war „schier überwältigt“ von der großen Zuhörerschar an diesem Abend. Es gebe mit der Sanierung des Uelzener Hofes, dem Projekt im einstigen Café Harder oder auch dem geplanten Neubau bei Wilgrü (AZ berichtete) bereits einige „Projekte, die Mut machten“ für eine positive Entwicklung Uelzens. Und das Marktcenter, so Scheele-Krogull, sei ein weiterer Baustein, „um der Innenstadt die notwendigen Impulse zu geben“. Danach aber sei es an den Eigentümern der Innenstadt, auf den Zug aufzuspringen und dafür zu sorgen, dass Uelzen ein attraktives und ansprechendes Bild abgibt.

Eine Befragung der Ostfalia-Studenten hat ergeben, dass viele Uelzener dem Marktcenter-Bau skeptisch gegenüber stehen. Sie befürchten, dass es keine Symbiose mit der Innenstadt geben werde. „Stadtentwicklung gelingt aber nur“, betonte Professor Arnd Jenne, „wenn Sie vorhandene Gräben zuschütten und zusammenarbeiten. Denn in Uelzen gibt es bei den Geschäften nicht nur quantitative Probleme, sondern auch qualitative. Wenn Sie nichts tun“, appellierte der Professor an die Anwesenden, „wird eine Anbindung an das Markt-Center nicht gelingen.“ Uelzen sei „eine ganz normale Mittelstadt im ländlichen Raum“, so Jenne. Und es liege an ihren Akteuren, in wieweit man die Entwicklung dem Markt überlasse oder die Prozesse beeinflusse.

Reinhard Mussehl von der Hamburger Investorengruppe HBB betonte, dass man sich mit dem Marktcenter als Teil der Innenstadt begreife und dieser keine Konkurrenz machen werde. „Wir ergänzen die Innenstadt mit zwei großen Ankerbetrieben, die dort nicht vorhanden sind“, erklärte er. Dass man nicht im Wettbewerb mit den Betrieben der Innenstadt stehe, müsse man wohl noch besser kommunizieren, stellte Mussehl fest. Die Konkurrenzsituation sei aus seiner Sicht allein zu den Betrieben am Stadtrand vorhanden.

Scheele-Krogull räumte ein, dass es gewiss Umverteilungen bei der Kaufkraft geben werde. Man dürfe aber nicht außer Acht lassen, dass derzeit zwischen 15 und 20 Millionen Euro Kaufkraft vorhanden sind, die nicht an Uelzen gebunden werden – Kunden, die für eine größere Angebotsauswahl nach Lüneburg oder Hamburg fahren. Das Marktcenter werde deshalb, und davon sei er überzeugt, vor allem Kunden anziehen, die vorher gar nicht in Uelzen eingekauft haben.

Das A und O für eine lebendigere Stadt sei nach Auffassung der Seniorenbeauftragten Renate Bartel, mehr attraktiven Wohnraum im Zentrum zu schaffen. Die Erreichbarkeit des Marktcenters für Ältere und Behinderte sieht sie völlig unproblematisch. Insgesamt erhob sie aber den mahnenden Zeigefinger an alle Verantwortlichen: „Der Wandel, der jetzt angestrebt wird, hätte schon vor 30 Jahren stattfinden müssen.“ Stattdesen hätten Eigentümer nur abgeschöpft und nicht investiert. „Und jetzt sehen wir ganz schön alt aus“, schloss die Seniorin unter dem Beifall der Gäste.

Stefan Thieme, Architekt in Flensburg und ehemaliger Uelzener, gab derweil zu bedenken, dass Uelzen auch an seinem Image arbeiten müsse. „Wir brauchen kein Marketing, das schön redet, was da ist.“ Der Stadt fehle ein Leitbild, an dem sich Akteure orientieren könnten, mahnte er an. Für die Anbindung des Marktcenters jedenfalls könne er sich die Einbeziehung der Bullen-Insel vorstellen. „Die kann man zurzeit gar nicht erleben“, stellte er fest, dabei habe Uelzen mit diesem Natur-Kleinod einen echten Schatz mitten in der Stadt. Und mit einem Abriss des Kreishauses hätte man nahezu alle Möglichkeiten für eine lebendige Verbindung zwischen Stadtkern und Marktcenter.

Während letzter Gedanke mit einem ungläubigen Raunen des Publikums kommentiert wurde, griff Erster Stadtrat Jürgen Markwardt das Thema Image dankbar auf. „Das Image einer Stadt“, betonte er, „wird gebildet durch uns. Wir müssen uns nicht mit Lüneburg oder Hamburg vergleichen; Uelzen hat so viel zu bieten. Aber das muss aus uns allen heraus kommen.“

Von Ines Bräutigam

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