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Blindgänger am Uelzener Bahnhof? Drei Verdachtspunkte

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Von: Norman Reuter, Lars Becker

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Die Brücke über die Bahnhofstraße aus dem Jahr 1935 wird abgetragen und neu errichtet. Zuletzt wurde im Umfeld nach möglichen Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg gesucht – und drei entsprechende Verdachtspunkte ausgemacht.
Die Brücke über die Bahnhofstraße aus dem Jahr 1935 wird abgetragen und neu errichtet. Zuletzt wurde im Umfeld nach möglichen Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg gesucht – und drei entsprechende Verdachtspunkte ausgemacht. © Norman Reuter

Der Hansestadt Uelzen steht heute in einer Woche, also am Sonnabend, 29. Januar, unter Umständen die bislang größte Evakuierungslage der Geschichte im Zusammenhang mit der Entschärfung von Fliegerbomben bevor: In der Nähe des Hundertwasser-Bahnhofs sollen drei Kampfmittel-Verdachtspunkte im Böschungsbereich und am Gleis genauer untersucht werden.

Am Donnerstagabend, als die Bahn und die Hansestadt in einer Online-Veranstaltung gemeinsam die Sanierung der Brücke über die Bahnhofstraße vorgestellt hatten, war erläutert worden, dass der Bahnhofsbereich im Krieg massiv mit Bomben angegriffen worden war. Entsprechend sorgsam werde nach Blindgängern gesucht, hatte es geheißen. Freitagabend dann wurde bestätigt, dass tatsächlich an drei Stellen Bomben tief im Boden schlummern könnten.

„Die Hansestadt Uelzen bereitet vorsorglich im engen Austausch mit Polizei, Feuerwehr und dem Kampfmittelbeseitigungsdienst möglicherweise notwendige Maßnahmen vor“, so Stadtsprecherin Ute Krüger.

Entschärfungen oder kontrollierte Sprengungen denkbar

Sollte es sich um einen oder mehrere Blindgänger handeln, könnten Entschärfungen oder kontrollierte Sprengungen erforderlich werden. In diesem Fall käme auf die Stadt und ihre Bürger eine große Herausforderung zu: Menschen, die im nahen Umfeld wohnen oder arbeiten, könnten von einer Evakuierung betroffen sein.

Im Umkreis von bis zu einem Kilometer werden erfahrungsgemäß im Falle des Falles sämtliche Gebäude evakuiert, betroffen wären dann viele tausend Menschen. Im Juli 2007 war unweit auf dem Albrecht-Thaer-Gelände eine Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft worden – 8300 Menschen mussten damals Wohnungen und Häuser verlassen.

Bürger-Telefon ab Montagmorgen geschaltet

„Zunächst gilt aber vor allem, die Angelegenheit besonnen anzugehen. Denn es steht nicht fest, ob tatsächlich Blindgänger gefunden werden. Wir möchten aber rechtzeitig informieren, dass möglicherweise eine Evakuierung notwendig werden könnte“, so Krüger.

Wie viele Menschen betroffen wären, könne erst konkretisiert werden, wenn die Untersuchung abgeschlossen sei und tatsächlich Blindgänger gefunden würden. „Dann würde ein Sicherheitsradius bestimmt. Wenn Bürger ihr Haus verlassen müssen, würde dies voraussichtlich am Sonnabend, 29. Januar, der Fall sein. Betreuungsstellen für Menschen, die nicht bei Bekannten oder Verwandten unterkommen, würden dann eingerichtet“, hieß es weiter aus dem Rathaus.

Die Hansestadt schaltet ab Montag, 24. Januar, täglich von 10 bis 18 Uhr ein Bürgertelefon unter (0581) 8006213. Fortlaufend werde über alle Kanäle informiert.

Brücken-Arbeiten dauern bis zum Herbst 2025

Nach Vorarbeiten stehen jetzt Abbruch und Neubau der Brücke über die Bahnhofstraße an. Stehen soll die neue 2024. Gleich im Anschluss wird die wenige Meter entfernte Bahnbrücke über die Sternstraße erneuert – bis Herbst 2025. Volker Kuhn, Leiter „Projekte Konstruktiver Ingenieurbau“ bei der Bahn, erläuterte, dass für den Neubau ab dem Sommer Hilfsbrücken geschaffen werden, um weiter den Zugverkehr zu ermöglichen.

Damit verbunden sind Konstruktionen unterhalb des Bauwerks, die es nicht erlauben, dass weiter Fußgänger oder Radfahrer diesen Bereich queren. Fußgänger können über den Bahnhof ausweichen, für Radfahrer bleibt – wie auch schon jetzt für Autofahrer – der Umweg über Bohldamm und Ebstorfer Straße.

Anlieger müssen mit Lärmbelästigungen rechnen. Aufgrund des begrenzten Platzes und kurzer Sperrpausen ist es laut Kuhn unmöglich, mobile Schallschutzwände aufzustellen. Besonders betroffene Anliegern soll aber die Möglichkeit gegeben werden, in Hotels auszuweichen.

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