Raketen und „Batterien“ im Trend

Böllern mit Bedacht: Sorgen um Flüchtlinge mit Trauma

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„Der Trend ist klar: Raketen und Batterien“, berichtet Peter Eichholz von den ersten Stunden im diesjährigen Feuerwerksverkauf in der Uelzener Innenstadt. Schon in der Nacht zu Dienstag bediente er hunderte Kunden.

Uelzen. Wenn morgen die Böller zum Jahreswechsel gezündet werden, könnte das für viele Flüchtlinge schlimme Erinnerungen hervorrufen. Die meisten von ihnen sind vor Krieg und Bombenterror geflüchtet.

Das Deutsche Rote Kreuz, das die Flüchtlingsunterkünfte in Bad Bodenteich und an der Uelzener Nothmannstraße betreibt, hat vorgesorgt. „Wir haben in den Unterkünften Flyer in verschiedenen Sprachen ausgelegt, die auf den Silvesterbrauch in Deutschland hinweisen“, sagt Meike Karolat, Sprecherin des DRK-Kreisverbandes Uelzen. Auch werde den Menschen mit den Flyern erklärt, dass sie keine Angst zu haben bräuchten, wenn es in der Silvesternacht knalle und Raketen in den Himmel stiegen, so Karolat. Auch seien immer DRK-Helfer beziehungsweise Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes vor Ort, an die sich die Menschen jederzeit wenden könnten, sagt Karolat.

Der Landkreis als Eigentümer der Pestalozzi-Sporthalle lasse aufgrund seines dortigen Hausrechtes durch die Betreuer vor Ort die Bewohner in mehreren Sprachen darauf hinweisen, dass sie auf dem Gelände der Sporthalle kein Feuerwerk zünden dürfen, teilt Kreis-Pressesprecher Martin Theine mit. Bei den übrigen Gemeinschaftsunterkünften (Nothmannstraße und Stadensen), die nicht Eigentum des Landkreises seien verfügt, wird die Kreisverwaltung die jeweiligen Betreiber bitten, ebenfalls auf diese Weise zu verfahren.

Mit Rücksicht auf oft traumatisierte Flüchtlinge appellieren auch die Johanniter in Niedersachsen und Bremen daran, in der unmittelbaren Umgebung von Flüchtlingsunterkünften auf allzu laute Silvester-Böller zu verzichten, heißt es in einer Mitteilung des Verbandes.

Die Polizei mahnt grundsätzlich zu einem sensiblen Umgang mit Silvesterknallern, sagt Pressesprecher Kai Richter. Das gelte natürlich auch für das Zünden von Krachern in der Nähe von Flüchtlingsunterkünften.

Ganz im Sinne dieser Hinweise wollen Melissa und Nils aus Uelzen 2015 ruhig ausklingen lassen. Sie haben vier Pakete mit Raketen gekauft. „Im Alter wird man ruhiger“, sagen sie. Wohlgemerkt: Er ist 21, sie 18 Jahre alt.

Einen Trend zu Raketen und „Batterien“, also ein Feuerwerk mit vielen Effekten, dass nur ein Mal gezündet werden muss, beobachtet Peter Eichholz, Mitinhaber von Postenking Feuerwerksverkauf an der Lüneburger und Veerßer Straße. Ab 0.01 Uhr am Dienstag bediente er hunderte Kunden, die bis drei Uhr nachts teils hunderte Euro für Feuerwerk ausgaben. Der Nachtverkauf ist in der Region wohl einmalig.

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