Uelzener Jan König beendet Arbeit des Vaters und veröffentlicht Chroniken von Pröpsten

Als in Bodenteich die Erde bebte

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Jan König, Vorsitzender des Vereins „Historisches Uelzen“, hat die Arbeit seines Vaters Ludwig König beendet und Chroniken von Pröpsten aus dem 19. Jahrhundert veröffentlicht.

Uelzen/Landkreis. Es ist ein Tag im April – und in Bodenteich bebt die Erde. Von „mehreren heftigen Erdstößen“ berichtet Propst Eduard Leopold in seinen Aufzeichnungen für das Jahr 1843.

Der Geistliche führt ein Art Tagebuch, Bedeutsames wird darin notiert, wie eben jener „ungewöhnliche Unglücksfall“ für Bodenteich. Nachfolger tun es Propst Leopold gleich – „die Niederschriften liefern uns Einblicke in die Uelzener Geschichte. Man taucht beim Lesen in die damalige Welt ein“, sagt Jan König. Der Vorsitzende des Vereins „Historisches Uelzen“ hat nun Aufzeichnungen von zwei Pröpsten aus dem 19. Jahrhundert in kommentierter Form veröffentlicht.

Mit der Herausgabe der Schriften widmete sich König einer Arbeit, mit der sein Vater Ludwig König begonnen hatte – der Unternehmer Ludwig König beschäftigte sich mit Geschichtlichem, mit der Archäologie. In seinem Nachlass entdeckt Sohn Jan im vergangenen Jahr die Arbeit zu Uelzens Pröpsten. Über Monate hinweg sichtet er Aufzeichnungen, „macht manche Tour zum Friedhof“, wie er erzählt, um noch Angaben zu genannten Personen zu ergänzen. König formuliert Fußnoten, in denen er weiterführende Angaben zu geschichtlichen Ereignissen und Literatur macht.

Ihn habe fasziniert, Zeuge einer Zeit vor fast 200 Jahren zu werden – „und das für meine Heimatregion“, schildert der studierte Germanist und Rechtsökonom. Beispielsweise berichtet Propst Leopold, ab 1837 im Amt, über den Besuch des König Ernst August im März 1839, bei dem er im Jagerschen Gasthause, dem heutigen Stadt Hamburg übernachtete, und dem Bürger-Jägercorps einen Pokal schenkte, aus dem später unter „Hurrarufen“ getrunken wurde. Der spätere Propst Georg August Wilhelm Oberdiek, ab 1858 im Amt, erzählt von der grassierenden Cholera im Osten des Landkreises – „in Rosche und Rätzlingen, besonders in der Ortschaft Stöcken“ trat die Krankheit „so bösartig auf, daß ein panischer Schrecken über die Leute kam, und Kranke und Sterbende von ihren nächsten Angehörigen unbarmherzig verlassen wurden.“

Es sind nicht immer nur die großen Ereignisse, die festgehalten werden. Auch Kurioses findet Eingang in die Chroniken: So ist es Propst Leopold eine Notiz wert, dass am 31. Dezember noch die Rosen in seinem Garten blühen.

Die Originalschriften der Pröpste lagern im Uelzener Kirchenarchiv; transkribiert werden mussten sie weder von Ludwig noch Jan König. Sie wurden bereits schon einmal in den 1920er Jahren in „Der Heidjer“, der Heimatbeilage der Niedersächsischen Volkszeitung, veröffentlicht. Nun sind sie in der „Weißen Reihe“ erschienen, dies sind Publikationen des Vereins „Historisches Uelzen“ anlässlich des jährlichen Armenessens.

Die Herausgabe der Propst-Chroniken aus dem 19. Jahrhundert könnte nur ein Anfang gewesen sein, berichtet Jan König. Denn die Tradition, dass die Pröpste ihre Erlebnisse verschriftlichten, reichte bis weit in das 20. Jahrhundert hinein. Aufzeichnungen seien noch aus den 1960er Jahren bekannt, sagt Jan König. Und heute? Im Amt ist Propst Jörg Hagen, der erklärt, dass er einen „ausführlichen Terminkalender“ führt, in dem er sich Notizen macht. Zudem hält er in einem Buch auch Besuche und Predigtthemen fest.

Wer Interesse an den erschienenen Chroniken hat, kann sie über den Verein „Historisches Uelzen“ sowie in der Buchhandlung Decius in Uelzen bekommen.

Von Norman Reuter

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