DNA überführt einen der Einbrecher in Uelzener Weinhandlung / Zehn Monate Haft ohne Bewährung

Blutstropfen verraten den Täter

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Per DNA-Test konnte einer der Täter, die am 5. November 2017 in eine Weinhandlung in Uelzen eingebrochen waren, überführt werden. Der Mann hatte am Tatort Blutstropfen hinterlassen.

Uelzen. Glas klirrt in der Nacht. Student G., der gerade seine Schritte von der Rathauskreuzung in die Uelzener Fußgängerzone lenkt, hört nicht nur das Geräusch, er sieht einen Moment später zwei Gestalten – einer mit Bart, einer trägt einen Rucksack – aus der Tür eines Weingeschäfts kriechen.

Was er in der Nacht zum 5. November vorigen Jahres gesehen und gehört hat, schildert er jetzt als Zeuge im Amtsgericht. Die Einbrecher sollen ein südländisches Aussehen gehabt haben. Der 30-jährige Algerier M. aus Uelzen muss sich jetzt wegen besonders schweren Diebstahls verantworten und wird am Ende zu einer Haftstrafe von zehn Monaten ohne Bewährung verurteilt, weil er offenbar unbelehrbar ist.

Doch zurück zur Tatnacht. Das Klirren stammt von der Glastür, die die Täter einwerfen. Und es klirrt weiter, als sie über die Scherben laufen. Für die edlen Tropfen interessiert sich das Diebesduo weniger. Es lässt einen Laptop, einen Monitor, ein Tablet vom Kassensystem und ein Lesegerät im Gesamtwert von 2300 Euro mitgehen, zählt Oberamtsanwalt Rainer Preuße auf. Die Scherben sind auch dafür verantwortlich, dass die Einbrecher offenbar ein paar Schnittwunden kassieren, als sie durch die Tür kriechen. Jedenfalls fließen Blutstropfen, die später noch eine Rolle spielen sollen.

Der Monitor taucht später in der Wohnung des jungen marokkanischen Uelzeners H. auf. Unter den Gästen, die mitten in der Nacht in seiner Bleibe auftauchen, ist nach seiner Aussage auch der Angeklagte. In dessen Wohnung findet die Polizei bei einer Durchsuchung nichts. Woher der Monitor stammt, da kann oder will sich der Marokkaner nicht erinnern. Er hat auch nicht nachgefragt. „Wir haben zusammen was getrunken. Dann habe ich geschlafen“, erzählt er. An einem Handtuch findet er etwas Blut.

Verteidiger Daoud Karimi hält den Zeugen für wenig glaubwürdig. „Sie gelten als Profi für Fahrzeugeinbrüche?“, fragt er. H. wehrt sich: „Ich bin kein Angeklagter“, stellt er klar. Diesmal jedenfalls nicht. „Das ist lange her. Das mache ich nicht mehr“, beteuert H. Die Polizei findet den Monitor bei einer Durchsuchung im Zusammenhang mit einem Autoaufbruch. Im Verlauf eines Streits habe ein gemeinsamer Kumpel berichtet, dass M. den Einbruch begangen habe.

Der Beschuldigte, nach hinten gegelte schwarze Haare, Dreitagebart und blaues T-Shirt, äußert sich nicht. Der Verdacht bestätigt sich dennoch. Die Polizeibeamten, die zu dem Einbruch gerufen werden, sichern nicht nur eine Spur, sondern auch Blutstropfen. „16 Merkmale der DNA in den Blutspuren stimmen überein“, erklärt Oberamtsanwalt Preuße. Er beantragt zehn Monate Haft für den jungen Algerier, den er einen „klassischen Bewährungsversager“ nennt. Laut Bundesregister ist er fünfmal einschlägig wegen Einbruchs oder Diebstahls verurteilt (dazu kommt ein Urteil wegen des unerlaubten Besitzes von Drogen) – das letzte Mal sechs Wochen bevor in der Fußgängerzone die Scheibe klirrt. „Da kommt nur eine empfindliche Freiheitsstrafe in Frage“, ist Preuße überzeugt. Verteidiger Karimi fordert Freispruch.

M. kommt 2014 nach Deutschland. Sein Asylantrag wird abgelehnt, er erhält lediglich eine Duldung. Im vorigen Jahr heiratet er eine Deutsche. Zurzeit arbeitslos, kann er auch nicht richtig glaubhaft machen, dass er jetzt eine Ausbildung beginnen will. „Etwas zur Entlastung ist mir nicht eingefallen“, betont Richterin Meike Henrike Wulff. „Eine Bewährung kommt nicht in Betracht.“

Von Gerhard Sternitzke

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