AZ-Leserbrief

„Blinde kulturelle Demontage"

„Der herrliche Schlosspark“, so meint Leser Hartmut Töter, sollte in jeden Fall erhalten bleiben.
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„Der herrliche Schlosspark“, so meint Leser Hartmut Töter, sollte in jeden Fall erhalten bleiben.

Zum Verkauf des Schlosses Holdenstedt erreichte die Redaktion folgende Lesermeinung:

Ein fraglos eindrucksvolles Ambiente in der Umgebung Uelzens bietet das Holdenstedter Schloss, das, zusammen mit der St. Nikolaikirche, eingebettet in einen herrlichen Schlosspark, ein unverwechselbares Ensemble bildet! Wer sich hier aufhält, merkt: Auf diesem Fleckchen Erde haben verantwortungsvolle Menschen im Zusammenwirken mit der Natur in Jahrhunderten eine harmonisches Ganzes geschaffen.

Damit ein solcher Schatz in Zukunft erhalten bleibt, stellt die Öffentlichkeit so etwas per Gesetz unter Denkmalsschutz – zu Recht. Mit und für ein derartiges kulturelles Highlight darf der arglose Bürger nun besondere treuhänderische Fürsorge und einen verantwortungsvollen und sensiblen Umgang erwarten – gerade weil es sich in öffentlicher Hand befindet.

Gibt die Stadt Uelzen diesen Besitz allerdings preis und erlaubt dem neuen Eigentümer im Schlosspark Gebäude zu errichten, bedeutet das nichts als blinde kulturelle Demontage. Man stelle sich einmal unvoreingenommen die Frage, was wohl geschehen wäre, wenn das Schloss heute noch dem Vorbesitzer – der Familie von der Wense – gehörte und diese nun im Schlosspark aus kommerziellen Gründen neue Gebäude errichten wollte – sei es auch nur zur Sanierung ihres Herrenhauses.

Mit Sicherheit wäre ein solches Vorhaben denkmalsrechtlich unter keinen Umständen als sogenannte „zumutbare Beeinträchtigung“ eingestuft und der Park zur Bebauung freigegeben worden. Genau das aber geschieht zurzeit.

Der nüchterne Bürger reibt sich die Augen und fragt sich: Wird hier mit unterschiedlichen Maßstäben gemessen? Übrigens: in einem „Merkblatt für Eigentümer von Kulturdenkmalen“ der (ehemaligen) Bezirksregierung Lüneburg heißt es „Das Land, die Gemeinden, die Landkreise und die sonstigen Kommunalverbände haben eine im Grunde uneingeschränkte Erhaltungspflicht.“ Offensichtlich kann man diese allerdings relativ leicht aushebeln.

Hartmut Töter, Uelzen-Groß Liedern

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