Ein Blick auf Schamuhns Dachboden: Verrückte Schätze sollen auf Flohmarkt angeboten werden

Zu jedem Stück eine Erinnerung

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Verrückte Geschichten zu verrückten Schätzen: Zehn Pinguine hat Jens Kunze unter dem Dach des Neuen Schauspielhauses gefunden. Diese hatte sich Reinhard Schamuhn für eine Bühnen-Show angeschafft.

Uelzen. Ein Kindersitz, zehn Plastikpinguine, 30 Stofftiermäuse und eine Lederjacke von Jürgen Drews: Der Dachboden im Neuen Schauspielhaus an der Rosenmauer birgt etliche Erinnerungen an dessen kürzlich verstorbenen Betreiber Reinhard Schamuhn .

Seit einigen Tagen steigt dessen Freund und ehrenamtlicher Mitarbeiter Jens Kunze immer wieder die knatschenden Holzstufen hinauf, um die bunten Schätze des „verrückten Huhns“, wie sich Schamuhn gerne nannte, zu sortieren.

„Das ist nicht so einfach“, sagt Kunze und zupft nachdenklich am Fuß einer verstaubten Clowns-Puppe. „Jedes Stück ist natürlich eine Erinnerung.“ Während er und Dieter Pietsch mit der Taschenlampe ausgestattet durch die oberen drei Stockwerke des Kreativen Speichers an der Rosenmauer wandern, kommen immer wieder kleine Überraschungen zum Vorschein – und zu fast jeder können die Beiden eine verrückte Geschichte aus dem Leben von Reinhard Schamuhn erzählen.

Mit dem schwachen Strahl der Taschenlampe weist Pietsch auf eine Kleiderstange im hinteren Teil des Raumes. Mäntel in schrillen Farben, eine Schützenuniform und eine bayrische Lederjacke hängen daran. „Wir haben mal zwei Tage lang in diesen Klamotten fotografiert“, erinnert sich Dieter Pietsch und begutachtet die Kleider im schwachen Licht. Ein paar Meter weiter lehnen Bilder von verschiedenen Künstlern aneinander, auf einem Tisch dahinter stehen zehn Plastikpinguine, dazwischen stapelweise Bücher, Fotos und Deko-Artikel. Das alles, wissen Pietsch und Kunze, habe Schamuhn für seine „verrückten Aktionen“ genutzt. Es soll im Herbst, so der Plan von Jens Kunze, auf einem Flohmarkt im Speicher zum Verkauf angeboten werden.

„Hier, wir haben säckeweise Mäuse“, sagt Jens Kunze, als er einen Stockwerk höher, direkt unter dem Dach des Schauspielhauses, neben ein paar blauen Säcken stehen bleibt. „Damit hat er mal ein Mäuse-Karussell auf die Bühne gebastelt – mit bestimmt 30, 40 oder 50 Mäusen“, schmunzelt er in Erinnerung an die Aktion. Dann weist er auf einen rosafarbenen Kinderstuhl. „Und den hat er zwei, drei Mal mit nach Paris geschleppt. Ja, vieles davon war schon mit in Paris.“

Dort hatte Reinhard Schamuhn den Eiffelturm geheiratet. Der Kinderstuhl war für drei Miniatur-Türme – als symbolische Nachkommen des Pariser Wahrzeichens – gedacht. Apropos Paris: Dort sei dem Schauspielhaus-Betreiber vor 45 Jahren auch die Idee zu seinem ersten Flohmarkt in Hannover gekommen. „Es gab keinen Tag, an dem wir uns nicht über den Flohmarkt unterhalten haben“, erzählt Kunze. Deshalb, glaubt er, hätte dem Uelzener Kulturschaffenden auch die Idee, einen Flohmarkt mit all seinen Schätzen im Speicher zu veranstalten, gefallen.

Voraussichtlich Ende Oktober, wenn sich Jens Kunze einen Überblick verschafft hat, sollen Möbel und Geschirr, Bücher und Deko-Artikel ihren Besitzer wechseln. Der Erlös aus dem Flohmarkt soll in den Erhalt des Schauspielhauses an der Rosenmauer fließen.

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