Raubtiere sollen mit Sendern ausgestattet und Gummikugeln beschossen werden

Blaue Flecke für den Wolf

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Kündigte kürzere Entschädigungsprozeduren bei Wolfsrissen an: Almut Kottwitz.

Amelinghausen. Das Niedersächsische Umweltministerium will jetzt durchgreifen gegen allzu aufdringliche Wölfe.

Ab nächster Woche soll ein schwedischer Experte versuchen, zunächst beim Rudel vom Truppenübungsplatz Munster und anschließend bei den anderen vier Rudeln im Land jeweils zwei Tiere per Betäubungsschuss einzufangen und mit einem Sender auszustatten, der mehr über das Verhalten der Raubtiere verrät. Wo sie zu nah an Siedlungen herankommen, sollen sie dann mit Gummigeschossen vergrämt werden, kündigte Umweltstaatssekretärin Almut Kottwitz gestern bei einem Pressegespräch im Rathaus in Amelinghausen an.

Dabei räumte die Ministeriumsvertreterin ein, dass die Wolfsbegegnungen mit dem Rudel vom Truppenübungsplatz nicht den bisherigen Erwartungen entsprechen, dass der Wolf den Menschen meidet. Das Wolfskonzept aus dem Jahr 2010 sei nicht mehr aktuell und werde überarbeitet: „Unsere Wölfe halten sich jedenfalls nicht daran, was in der Literatur steht. Wir erleben jede Woche eine neue Überraschung.“

Neue Erkenntnisse sollen die Sender bringen – und die Meldungen von Bürgern, von denen jede wichtig sei, betonte die Staatssekretärin.

Ohne die genaue Dokumentation gehe es nicht, so Almut Kottwitz: „Wir brauchen die Besenderung, damit wir den Nachweis gegenüber der EU führen können.“ Denn Isegrim ist nicht nur nach deutschem Naturschutzrecht, sondern auch in der EU streng geschützt. Jede Beobachtung des Munsteraner Wolfsrudels soll ab sofort eine Biologin der Landesjägerschaft prüfen, die von Lüneburg aus schnell in der Region sei.

Kottwitz berichtete weiter, dass ein Wolfsbüro, das Anfang Juli in Hannover eingerichtet wird, die Öffentlichkeitsarbeit in Sachen Wolf und die Bearbeitung von Wolfsrissen verbessern soll: „Wir machen den amtlichen Stempel auf sämtliche Sichtungen drauf.“ Und das Land reagiert auf die Kritik der Tierhalter an langen Entschädigungsprozeduren bei Wolfsrissen. Zukünftig sollen die Amtstierärzte die Kadaver begutachten und bereits vor den DNA-Tests eine Entscheidung treffen, ob ein Wolf am Werk war. „Das kann in zehn Tagen passieren“, so Kottwitz. „Ich glaube, das ist eine große Erleichterung.“

Von Gerhard Sternitzke

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