2017 fällt die Zuckermarkt-Ordnung / Für gute Preise müssen dann Bauern stets üppige Rüben liefern

Bitteres Geschäft mit der Süße

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Die Nordzucker AG und die Landwirte blicken auf das Jahr 2017. Ab dann wird die Zuckerproduktion dem freien Wirtschaftsmarkt unterworfen sein. Mengen- und Preisgarantien wird es für Rüben nicht geben. Deshalb sollten Landwirte möglichst Rüben mit viel Süße liefern.

Uelzen/Landkreis. Bei der Zuckerproduktion schauen die Nordzucker AG, Uelzens Rübenanbauer und all jene Unternehmen, die beim Anbau von Rüben und ihrer Verarbeitung beteiligt sind, in Richtung 2017.

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Die Zuckermarkt-Ordnung in der Europäischen Union fällt und mit ihr der Mindestpreis für Rüben und Quotenregelungen für die Vermarktung von Zucker. Die Zuckerproduktion wird den Gesetzen des freien Wirtschaftsmarktes unterworfen sein. Mit Blick auf die Veränderungen wurden gestern bei der Frühjahrssitzung des Rübenanbauer- und Aktionärsverbandes Nord die Landwirte aus der Region von der Nordzucker AG aufgefordert, alles daran zu setzen, dass Rüben möglichst üppig wachsen und einen hohen Zuckeranteil besitzen.

Dr. Lars Gorissen

Wie Dr. Lars Gorissen, Agrarvorstand bei Nordzucker, ausführte, würden die Neuerungen mit sich bringen, dass es keine Mengen- und Mindestpreisgarantien für Rüben mehr gebe. Künftig würden Vertragsbedingungen und Preise direkt zwischen Zuckerunternehmen und Rübenanbauverbänden verhandelt. „Es wird damit mehr auf Erträge und die Leistungsfähigkeit bei der Rübenernte ankommen“, sagte Gorissen. Stefan Büsching, Geschäftsführer vom Rübenanbauer- und Aktionärsverband Nord, und Georg Sander, bei Nordzucker für die Rübenbeschaffung zuständig, rieten den Landwirten aus diesem Grund dazu, optimale Wuchsbedingungen zu schaffen, indem die Bodenbeschaffenheit oder die Unkrautbekämpfung hinterfragt werden. Hans-Christian Köhler, Vorstandsmitglied der Nordzucker Holding Aktiengesellschaft, erklärte, dass die AG in ihrer Satzung festgeschrieben habe, dass jeder rübenanbauende Aktionär einen Anspruch habe, Rüben Nordzucker zu liefern. Dabei dürfe die Wettbewerbsfähigkeit aber nicht aus dem Auge verloren werden. Es sei mit stärkeren Preisschwankungen zu rechnen.

Allerdings, so Lars Gorissen, biete die Reform auch Chancen. Exportbeschränkungen gebe es ab 2017 ebenfalls nicht mehr, womit auch Möglichkeiten für größere Produktionsmengen bestünden. Weltweit wächst der Bedarf an Zucker auf der Welt um zwei bis drei Prozent.

Jedoch bevor auf Äckern in der Region mehr Zuckerrüben angebaut werden, wird die Aussaat in diesem Jahr geringer ausfallen. Wegen einer Rekordernte 2014 mit einem Ertrag von 15 Tonnen Zucker je mit Zuckerrüben angebauten Hektar sind die Lagerstätten ordentlich gefüllt. Und dies nicht nur bei Nordzucker, wie Claus-Friso Gellermann vom Unternehmen sagte. Auch in anderen Regionen und Ländern habe die Zuckerproduktion wegen der leistungsstarken Rüben bis zu 25 Prozent über dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre gelegen. Damit Lagerbestände abgebaut werden können, drosselt Nordzucker die Produktion in diesem Jahr.

Gellermann forderte die Landwirte auf: „Reduzieren Sie ihre Rübenanbauflächen.“ Noch im Februar werde Nordzucker eine Anbau-Empfehlung herausgeben.

Von Norman Reuter

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