Unternehmen kämpft mit Preisverfall

Uelzen: Bittere Zeiten für Nordzucker

+
In Uelzen steht das größte deutsche Nordzucker-Werk. Rüben werden hier zu weißen Kristallen verarbeitet. Das Geschäft ist schwer zurzeit.

Uelzen – Nordzucker kämpft mit dem Preisverfall für die süßen Kristalle. Das Unternehmen steckt in den roten Zahlen. Ein Stellenabbau ist geplant. Aktionäre erhalten keine Dividende.

Die Zuckerpreise sind in die Tiefe gestürzt – das Unternehmen Nordzucker hat zu kämpfen.

Der Stahlbau läuft. Am Uelzener Nordzuckerwerk wächst täglich ein Stück mehr ein Hochregallager in die Höhe. Das Unternehmen selbst kämpft indes mit in die Tiefe gestürzten Preisen für Zucker. Der Preisverfall hat Nordzucker in die roten Zahlen gedrückt.

Für die Hansestadt Uelzen, für die Nordzucker ein großer Gewerbesteuerzahler ist, sind das keine guten Nachrichten. Die Entwicklung trifft vor allem aber Unternehmensmitarbeiter. Ein Stellenabbau im Bereich der Verwaltung ist geplant. Und mit Ruhestandsregelungen und einem Freiwilligenprogramm wird es wohl nicht getan sein. Auf die Frage bei einer Bilanzpressekonferenz gestern, ob es zu betriebsbedingten Kündigungen kommen wird, sagt Vorstandsvorsitzender Lars Gorissen: „Damit muss man rechnen.“

Noch im Geschäftsjahr 2017/18 hatte Nordzucker ein Gewinn von 118 Millionen Euro erwirtschaften können. Für das jetzt zu Ende gegangene Geschäftsjahr sehen die Zahlen gänzlich anders aus. Ein Verlust von 36 Millionen Euro steht unter dem Strich. Und für 2019/20 kündigt gestern Gorissen ein weiteres „erhebliches negatives Ergebnis“ an.

In Thailand und Indien ist in den vergangenen Jahren mit staatlichen Hilfen weit mehr Zucker produziert worden, das hat auf die Preise gedrückt. Nordzucker spricht von einem historisch niedrigen Niveau, das nun durchschlägt. Laut Alexander Bott, bei Nordzucker für die Finanzen zuständig, ist im Geschäftsjahr 2018/19 der Umsatz um 18 Prozent eingebrochen.

Nordzucker erwartet, dass sich die Zuckerpreise wieder erholen werden. Weltweit steige der Bedarf an Zucker auch noch zwischen 1,4 und 1,9 Prozent jährlich, sagte gestern Gorissen – Hoffnungen für das Unternehmen Nordzucker, das seinen Hauptsitz in Braunschweig hat. Warten auf bessere Zeiten will das Unternehmen aber nicht. Die Aktionäre werden keine Dividende bekommen. Für die schwierigen Jahre setzt das Unternehmen zudem einen Sparkurs durch – die Stellenstreichungen sind ein Baustein. Nach Unternehmensangaben sollen allein 20 Millionen Euro beim Personal eingespart werden.

Gleichzeitig will das Unternehmen neue Märkte erobern. Dazu wird Nordzucker Mehrheitseigner des zweitgrößten Zuckerproduzenten Australiens – „die Verträge sind unterschrieben“, so Gorissen. Und Nordzucker investiert auch, um sich zukunftssicher aufstellen. Ein Projekt ist das Hochregallager in Uelzen für gut 10 Millionen – langfristig sollen damit Kosten für die externe Lagerung von verpacktem Zucker eingespart werden.

VON NORMAN REUTER

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare