„Bitte kein Gequatsche“

Ein Sänger, der seine Musik lebt: Michy Reincke in der Jabelmannhalle.

Uelzen - Von Jürgen Köhler-Götze. Michy Reincke mit dem Akustik Trio im Foyer der Jabelmannhalle. Der Mann bewegt ja musikalisch so einiges und ist längst seinem größten Hit „Taxi nach Paris“ entwachsen. Natürlich bringt er ihn bei jedem Konzert. Das Publikum wartet einfach darauf. Auch wenn er gleich zu Beginn des Auftritts ankündigt, dass er den Song zum Schluss spielen wird – „…und dann tanzen wir in Unterwäsche auf den Tischen“ – er ist leiser geworden. Und das möchte er auch von seinem Publikum. Ein „Ort der Ruhe und des Verständnisses“ soll das Foyer an diesem Abend sein, wünscht er sich. Und dazu gehört, dass das Gequatsche in den hinteren Reihen aufhört.

Damit das gelingt, hat er „Fjarill“ mitgebracht. Aino Löwenmark, Gesang und Piano, und Hanmari Spiegel, Violine, passen so recht in keine Schublade. Sie singen schwedisch und ein wenig erinnert das auch an schwedische Volksmusik. Aber die beiden bekommen durchaus auch Lobeshymnen aus der Jazz-Ecke und afrikanische Einsprengsel sind auch auszumachen (Spiegel kommt aus Südafrika).

Man könnte sie unter „kammermusikalische Weltmusik“ führen. Gleichgültig, die beiden Frauen erspielten sich ihren wohlverdienten Applaus und sorgten für die Ruhe, die Reincke bei seinen Auftritten haben will.

Weitgehend jedenfalls. So ganz traut Reincke seinem Publikum denn doch nicht. Freilich, die Ermahnung, sich brav zu melden, wenn man Fragen stellen möchte, war scherzhaft gemeint, genau wie die Drohung mit dem Elektroschocker, der gegen Dauerquatscher im Publikum zum Einsatz gebracht werden sollte. Nicht bei jedem Zuhörer kam das auch so scherzhaft an und bei denen, die dann doch weiter am Tresen quasselten, verfehlte es die gewünschte Wirkung.

Die Mehrheit mochte ja durchaus zuhören, auch bei den leisen Songs, vielleicht sogar gerade bei denen. Die Kracher zum Mitsingen gab’s ja durchaus zu hören, das „Taxi nach Paris“, das Reincke immer noch nachhängt, lädt ja auch dazu ein. Und auch „Für immer blond“, zu dem sich Reincke von der blonden Ollie aus dem Publikum auf der Mundharmonika begleiten ließ, hat Mitsing-Qualitäten. Der Titelsong seiner neuen CD „Jetzt ist schön“ allerdings ist reifer, leiser und ein ernstes Plädoyer dafür, vom Leben nicht ein permanentes Feuerwerk zu erwarten. „Wär nicht schlecht, wenn du da bleibst“, „Nächte übers Eis“, alles Songs, bei deren Texten es nichts zu bekritteln gibt. Aber so schwierig, dass man sich die Songs vorab von Michy Reincke hätte erklären lassen müssen, waren die Texte doch wieder nicht. Weniger Ermahnungen und mehr Vertrauen in die intellektuellen Fähigkeiten des Publikums – dann wäre es ein rundes Konzert geworden. So bleibt ein Rest von Verdruss.

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