Bessarabiendeutsche erinnern sich bei Treffen in Uelzen an ihre Kindheit und die Umsiedlung

Ein bisschen Heimatgefühl

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Herta Rothenberg (links) und Alina Rohrbeck kennen sich seit Kindertagen. Beim Treffen der Bessarabiendeutschen in Uelzen spürten sie ein wenig Heimatgefühle.

Uelzen. „Die Eltern weinten, wir Kinder lachten und sangen. “ Alina Rohrbeck war neun Jahre alt, als sie mit ihren Eltern die Heimat verließ, nachdem russische Truppen 1940 Bessarabien, die heutige Südukraine und Teile Moldawiens, besetzt hatten.

Mehr als 120 Jahre lang lebten dort Deutsche, die 1813 dem Ruf des russischen Zarenreiches gefolgt waren. Deutschland und Russland beschlossen per Vertrag die „Umsiedlung“, die für das Mädchen Alina Nächte in Sammellagern, auf Schiffen und in Zügen bedeutete. Für sie sei es ein großes Abenteuer gewesen, erinnert sich Alina Rohrbeck. „Endlich mal was los, dachte ich. “ Die Wehmut kam später. Und losslassen kann die heutige Seniorin auch nach mehr als 70 Jahren noch nicht. Wenn sie über ihre Kindheit in der Südukraine erzählt, spricht sie von ihrem „Zuhause“.

Ein bisschen ihrem Zuhause näher gewesen ist Alina Rohrbeck am Sonnabend in der Uelzener Stadthalle. Der Regionalverband Lüneburger Heide des Bessarabiendeutschen Vereins hat eingeladen. Bereits zum siebten Mal, so Werner Schabert, Vorsitzender des Regionalverbandes, sei die Bessarabien-Zusammenkunft für die Region auf die Beine gestellt worden. Sie biete den Zeitzeugen die Möglichkeit zum Austausch und Nachkommen die Möglichkeit, sich über die Geschichte zu informieren. Renate Rauser vom Regionalverband Havelland hält einen Vortrag über das Leben in Bessarabien, Bilder werden mit dem Beamer an die Wand geworfen, bei einem Quiz haben die Bessarabiendeutschen in ihren Erinnerungen zu kramen. Aufgabe des Bessarabiendeutschen Vereins sei aber auch humanitäre Hilfe, sagt Schabert.

Der Verein unterstütze Waisen- und Krankenhäuser in Moldawien und in der Ukraine. Die rund 80 Teilnehmer der Zusammenkunft erfahren in einem weiteren Vortrag am Sonnabend mehr darüber.

Ihre Heimat noch einmal wiedersehen will die 80-jährige Herta Rothenberg. Sie sitzt in der Stadthalle neben Alina Rohrbeck. Die beiden kennen sich seit der Kindheit und durchlebten gemeinsam auch die Flucht aus Westpreusen, wo sie nach der Umsiedlung zunächst unterkamen, bevor der Zweite Weltkrieg sie erneut einholte und 1945 nach Niedersachsen brachte. Für den Sommer hatte Herta Rothenberg, die in Wahrenholz (Landkreis Gifhorn) lebt, mit ihrer Tochter und ihrem Schwiegersohn eine Reise in die Ukraine geplant, um ihren Wunsch nach einem Heimatbesuch wahr werden zu lassen. Gefolgen sind sie nicht, zu unsicher sei die Situation im Land gewesen, sagt die Seniorin. Beim schwelenden Konflikt geht es wieder um Besetzungen und Flucht – wie in den Kindertagen von Herta Rothenburg.

Von Norman Reuter

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