Lokführer Dietmar Kuhfahl fährt die Strecke Uelzen-Wittingen – heute streikt er

„Bis zu 1000 Überstunden“

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Feierabend – Deutschlands Lokführer streiken.

Uelzen. Es ist der zweite Streik innerhalb nur einer Woche. Und auch Lokführer Dietmar Kuhfahl wird heute wieder zum Bahnhof gehen, um sich den Reisenden zu stellen.

„Denn es muss sich etwas ändern, so geht es nicht weiter“, sagt der 52-jährige Vorsitzende der GDL-Ortsgruppe Uelzen.

An diesem Wochenende legen Kuhfahl und seine Kollegen den Zugverkehr in Deutschland weitgehend lahm. Während der Ton zwischen Deutscher Bahn („Die GDL läuft Amok“) und der Gewerkschaftsspitze zusehends gereizter wird, schildert Dietmar Kuhfahl der AZ, welchen Arbeitsbelastungen er seit Jahrzehnten ausgesetzt ist. So nimmt die Deutsche Bahn wenig Rücksicht darauf, wo ihre Lokführer wohnen. Kuhfahl etwa lebt in Salzwedel. Aktuell ist sein Dienststandort Braunschweig, mehrfach täglich fährt er von dort unter anderem die Route nach Wittingen und Uelzen.

Der Lokführer zählt auf, wo er schon stationiert war: Zu DDR-Zeiten in Magdeburg und Berlin, als Tarifkraft der Deutschen Bahn 1995 in Stendal, 1998 Hannover, 1999 Uelzen, 2005 Braunschweig, 2008 wieder Uelzen, seit 2011 wieder Braunschweig... Andere Kollegen würden quer durch Deutschland und wieder zurück versetzt. Arbeitsbeginn ist auch schon mal um drei Uhr morgens, bei der Spätschicht schließt er um ein Uhr nachts seine Lok ab. „Ich habe 144 Überstunden, aber manche Kollegen schieben auch 1000 vor sich her“, erklärt Dietmar Kuhfahl.

Dazu kommen die Belastungen im Alltag. Bis heute sieht der Lokführer das Gesicht jenes Mannes vor sich, der bei Gifhorn vor seinen Zug sprang und sich so umbrachte. Knapp sechs Wochen brauchte der Lokomotivführer, um diesen Suizid zu verkraften. Seitdem ist er wieder im Dienst. „Arbeiten muss ich bis zum Alter von 66 Jahren und acht Monaten, das ist bei dieser Belastung doch gar nicht möglich“, sagt Kuhfahl. Dass die Lokführer Spielball zweier konkurrierender Gewerkschaften seien, weist er zurück: „Uns geht es vor allem um die Arbeitsbedingungen.“

Deswegen wird er auch heute wieder zum Bahnhof gehen, um Reisenden zu erklären, wofür er und seine Kollegen streiken. Aktive Lokführer der DB gibt es in Uelzen bald nicht mehr – sie werden alle wegversetzt, weil die Deutsche Bahn nach und nach die Nahverkehrsstrecken an die Eisenbahngesellschaft Metronom verliert – als nächstes die Strecke Uelzen-Braunschweig. Metronom und Erixx verkehren an diesem Streikwochenende planmäßig. [...]

Von Thomas Mitzlaff

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