Das Erneuerbare-Energien-Gesetz: SVO und Stadtwerke passen ihre Arbeit den neuen Richtlinien an

Biogas-Boom im Landkreis Uelzen

Biogas steht in der Region an erster Stelle bei der Versorgung durch erneuerbare Energien: Die Anlage in Altenebstorf Richtung Stadorf reiht sich mit in die Stromversorgung ein. SVO und Stadtwerke setzen künftig noch stärker auf regionale Kraftwerke. Archivfoto: Ph. Schulze

Uelzen. Bis spätestens 2020 soll der Anteil der erneuerbaren Energien am Stromverbrauch mindestens 35 Prozent betragen. Dieses Ziel wurde im Änderungsgesetz für erneuerbare Energien (EEG) festgelegt, das seit dem 1. Januar in Kraft ist.

2030 soll der Anteil auf 50 Prozent gesteigert werden, 2040 auf 65 Prozent und 2050 auf 80 Prozent. Welche Auswirkungen hat das Gesetz für die Stromversorger im Landkreis Uelzen?.

Eine „deutliche Entwicklung“ bei den erneuerbaren Energien sieht SVO-Sprecher Ralf Horst schon jetzt für die Landkreise Uelzen und Celle. Der Anteil in der Region sei relativ hoch wegen der Biogas-Anlagen, der Haupteinspeiser in dieser Kategorie. An zweiter Stelle stehe die Windenergie, hinzu kämen Photovoltaik und Wasserkraft.

Die Einspeisesumme in diesem Bereich wurde nach Angaben der SVO von 2010 auf 2011 um voraussichtlich 21 Prozent gesteigert: Rund 538 Millionen Kilowatt-Stunden seien 2010 eingespeist worden. Die genauen Zahlen für 2011 stehen noch nicht fest, aber Horst geht davon aus, dass sie bei 653 Millionen Kilowatt-Stunden liegen, das ist ein 50-Prozent-Anteil von erneuerbaren Energien am Stromverbrauch im Netzgebiet der SVO.

Der Energieversorger habe an die Einspeiser aus diesem Bereich im Jahr 2020 eine Summe von 90 Millionen Euro, im vergangenen Jahr etwa 111 Millionen Euro gezahlt. „Wir werden aktiv das Thema Energiewende in der Region mitgestalten“, sagt Horst. Für die Weiterleitung dieser Einspeisemengen werde das Unternehmen die Netze in der Region deutlich verstärken, kündigt der Pressesprecher an. Die SVO habe 2010 rund sieben Millionen Euro ins Stromnetz investiert, 1,5 Millionen Euro davon wurden in den Netzausbau für erneuerbare Energien investiert.

Die Stadtwerke begrüßen ebenfalls den gesetzlich festgeschriebenen Ausbau der erneuerbaren Energie. „Deswegen hatten wir gegen die geplante Verlängerung der Laufzeit der Atomkraftwerke bereits Klage eingereicht“, erklärt Markus Schümann, Geschäftsführer der Stadtwerke.

Zum Beispiel Naturstrom aus Wasserkraftanlagen der Alpen haben sich die Stadtwerke für künftige Lieferperioden vertraglich gesichert, um Engpässe bei erhöhter Nachfrage vermeiden zu können, so Schümann. Die Stadtwerke hätten sich zum Ziel gesetzt, „in bereits 15 Jahren Haushalte und Kleingewerbe der Stadt vollständig durch eigene und wenn sinnvoll auch lokale Produktion von Energie vollständig regenerativ zu versorgen“. Die regionale Wirtschaft möchte das Unternehmen fördern und stärken. Zu den nächsten Plänen der Stadtwerke gehöre das Windparkprojekt Borkum, das bereits gebaut wird und 2013 oder 2014 fertiggestellt sein soll. „Ein zweiter Bauabschnitt wurde durch die Stadtwerke optioniert“, so Schümann. Zudem wurde mit der Leuphana Universität Lüneburg das Energieprojekt „Energion“ ins Leben gerufen, das durch den Innovations-Inkubator gefördert wird. Damit werde der lokale Ausbau der regenerativen Energien erforscht und es soll unter anderem Energiebürgerfonds hervorrufen. Am Hallenbad Badue wird nach Angaben der Stadtwerke das Blockheizkraftwerk auf Bioerdgas aus Biomasse umgerüstet und weitere Nahwärmeprojekte an sinnvollen Stellen der Stadt mit Kunden entwickelt. Auch für einen Freiflächensolarpark werde derzeit eine Standortanalyse erarbeitet, an dem sich künftig voraussichtlich Bürger beteiligen können.

Mit der Novelle zum Jahresbeginn werden Stromanbieter auch dazu aufgefordert, ab kommendem Februar ihre Kunden in Rechnungen umfassender zu informieren und über ihren Verbrauch aufzuklären. Die SVO habe ohnehin geplant, im Zusammenhang mit den Jahresverbrauchsabrechnungen den Verbraucher besser zu informieren. Mit Extra-Flyern sollen die Kunden individuell unter anderem über Zählpunkte, Kündigungsfristen, Vertragslaufzeit, Netzbetreiber und die Schlichtungsstelle informiert werden. Die Vorgabe der Bundesregierung soll den Wettbewerb anschieben, weiß Horst: „Das ist für uns eine nächste Herausforderung.“

Ebenso wollen die Stadtwerke die neuen Informationspflichten in der aktuellen Jahresverbrauchsabrechnung Ende dieses Monats umsetzen. Allerdings sieht Schümann die neue Vorgabe kritisch: „Wir glauben nicht, dass durch die Erfüllung der Vorgaben die Energieabrechnungen verständlicher und leichter lesbar geworden sind“, erklärt er. „Der Umfang einer Abrechnung beläuft sich im Regelfall mittlerweile auf acht Seiten.“ Somit ersetze das Papier keine Energieberatung. Der Geschäftsführer empfiehlt weiterhin den Kunden, sich bei Fragen zur Energieeinsparung und -anwendung direkt mit den Stadtwerken in Verbindung zu setzen.

 Der Wechsel eines Strom- und Gasanbieters darf ab April nach der neuen Verordnung höchstens drei Wochen dauern. Bislang gab es Kündigungsfristen von einem Monat, jeweils zum Monatsende. Demnach hatten die Versorger bislang bis zu acht Wochen Zeit, den Wechsel umzusetzen, wenn jemand am Anfang eines Monats kündigte. „Die Auswirkungen auf den Bereich Kundenservice (Netz) der Stadtwerke Uelzen GmbH sind erheblich“, erklärt Schümann. „Es wurde die gesamte Ablauforganisation mit den einzelnen Arbeitsschritten überarbeitet.“ Die Datenverarbeitung wurde angepasst und Mitarbeiter für die veränderten Rahmenbedingungen geschult. Es bleibe wenig Zeit, um Fehler oder Falschangaben jeglicher Art zu klären und zu eliminieren, „zum Nachteil aller am Wechselprozess Beteiligten“, so Schümann.

Auch für die SVO bedeutet die schnelle Umstellung auf drei Wochen eine „deutliche Herausforderung“, so Horst. „Wir sind dabei, das in unsere EDV zu integrieren.“

Von Diane Baatani

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