Spurensuche am Straßenrand / Experten finden Fußabdrücke an der Bundesstraße 71

Bewiesen: Zwei Wölfe im Landkreis

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Kothaufen (Losung) bestehen aus Haaren und Knochen. Sie gelten als C1-Nachweis für einen Wolf.

Lintzel/Landkreis. „Wir haben gesicherte Spuren von zwei Wölfen“, sagt Volker Einhorn, Leiter der Revierförsterei Lintzel und einer von 42 ehrenamtlichen Wolfsberatern in Niedersachsen.

Ganz aktuell verursachten zwei Wölfe einen Verkehrsstau an der B 71 zwischen Munster und Ilster, als sie versuchten, die Straße zu überqueren. „Sie wurden dort gesehen, als sie parallel zur Straße liefen und eine Lücke im Verkehr abwarteten“, berichtet der Förster. Gemeinsam mit einem Kollegen machte sich Einhorn auf den Weg, um die Spuren der Vierbeiner zu sichern.

„Es ging schon länger die Vermutung um, das es bei uns zwei Wölfe gibt“, sagt Einhorn. Spuren hat er dann auch gefunden und zwar auf dem an die Bundesstraße angrenzenden Acker. Leider sorgte die Witterung aber dafür, dass sie sich schnell wieder in Luft auflösten – und damit auch einer der bestmöglichsten Beweise für die Existenz der Wildtiere im westlichen Landkreis. Denn einen Wolf in freier Wildbahn zu beobachten, ist ausgesprochen selten. „Es sind sehr scheue Tiere“, weiß Einhorn. Die Vierbeiner sind sehr vorsichtig und bleiben in großer Distanz zum Menschen.

Um nachzuweisen, dass ein gesichteter Wolf auch wirklich einer ist – sie haben große Ähnlichkeit mit Schäferhunden – sind arttypische Nachweise erforderlich: Kot, Haare, Risse und Spuren sind einwandfreie Identifizierungsmerkmale für einen Wolf. Dass es sich bei einer Spur tatsächlich um die Abdrücke eines Wolfes handelt, ist daran zu erkennen, dass die Pfotenabdrücke wie an einer Perlenschnur aufgereiht aussehen. „Ein Wolf läuft energiesparend“, sagt Volker Einhorn, „die Hinterläufe fußen in die Vorderläufe.“

Ein weiteres begehrtes Spurensicherungsmittel: Kothaufen, in der Jägersprache Losung genannt. „In ihnen sind immer Haare und Knochen zu finden“, erklärt Lintzels Revierförster. Diese Haufen eignen sich auch hervorragend, um DNA-Nachweise über die Herkunft des Tieres zu erbringen. Anhand der aus ihnen gewonnenen Daten können die Fachleute genau sagen, woher die Tiere kommen. „Ein Tier kommt aus der Lausitz. Wir wissen, dass das Muttertier Einauge heißt“, nennt der Wolfsberater einige Erkenntnisse über die im Westkreis gesichteten Exemplare. Der Name des Muttertieres erklärt sich von selbst: Sie hat nur ein Auge.

Aber auch Risse von Tieren sind immer eindeutige Nachweise dafür, das Isegrimm am Werk war. „Pro Tag braucht ein Tier vier bis fünf Kilo Muskelfleisch“, weiß Einhorn. Ein Riss konnte im Bobenwald bei Ebstorf nachgewiesen werden. Ein Wolf kommt jedoch bei der Jagd nach Nahrung den menschlichen Jägern nicht ins Gehege. Denn der Wolf hat es auf Tiere abgesehen, die schwach und kränklich sind – also eine leichte Beute für ihn. Ein europäischer Wolf bringt es auf ein Körpergewicht von bis zu 30 Kilogramm.

Vor knapp vier Wochen tappte ein Wolf in eine Fotofalle auf dem Truppenübungsplatz Munster Nord. Bestimmt nicht ganz freiwillig wurde er „geblitzt“. Anhand eindeutig zu erkennender Merkmale – wie den weißen Backen am Kopf und der Fellfärbung auf dem Rücken – identifizierten ihn die Fachleute als Wolf.

Aufgrund von Märchen und Geschichten hat das Tier mit einem sehr schlechten Image zu kämpfen. Einhorn ist das egal. Er ist begeisterter Spurensucher. Sobald es Hinweise auf einen der Vierbeiner gibt, macht er sich auf den Weg: „Das ist sehr aufregend, weil man nie weiß, was man findet.“ Ob es sich bei den hiesigen Wölfen um ein Pärchen handelt, ist noch nicht bekannt. Es könnten auch zwei Jungtiere sein. Wölfe leben nur als Familie, Eltern und Jungtiere zusammen. Sobald die Tiere erwachsen sind, machen sie sich auf den Weg, um ein eigenes Revier zu finden.

Von Meike Bornemann

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