Elsa Albanus aus Veerßen feiert ihren 105. Geburtstag

Das bewegte Leben einer Uelzenerin

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Zeugnisse aus der Vergangenheit: Elsa Albanus vor einer Wand, die gespickt ist mit Bildern und Dokumenten.

Uelzen. „Ich könnte noch stundenlang weiter erzählen“, lächelt Elsa Albanus. Zum Beispiel, wie sie zu einer Glückwunschkarte der Lutheriden-Vereinigung kommt: Die Familie Albanus ist nämlich direkter Nachkomme des jüngsten Bruders von Martin Luther.

„Mit herzlichen Luther-verwandtschaftlichen Grüßen“ ist die Karte unterschrieben und sie ist nur eine von zahlreichen Gratulationen, die in diesen Tagen bei der 105-Jährigen eingehen.

Auch Schreiben von Bundespräsident Joachim Gauck und Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister sind darunter. Elsa Albanus bewahrt sie alle zusammen in einem Ordner auf. Uelzens Bürgermeister Otto Lukat und Veerßens Ortsbürgermeister Karsten Jäkel gratulierten persönlich.

Geboren wurde Elsa Albanus im Schleswig-Holsteinischen Wesselburen. An der Haushaltsschule im rund 40 Kilometer entfernten Hademarschen lernte sie mit 14 Jahren das Kochen und auch ihre beste Freundin kennen: „Sie kam aus Hamburg, ihrer Familie gehörte eine große Schlachterei“, erinnert sie sich. Durch diesen Kontakt kam Albanus auch auf Bälle, die der Hamburger Sportverein (HSV) veranstaltete. „Passende Kleider und Schuhe hat mir meine Freundin geliehen.“ Sie muss herzlich lachen bei den Erinnerungen an die Feiern: „Da habe ich Bälle mitgemacht...“

Nach ihrer Zeit in Hademarschen ging es zurück in die Heimatstadt, wo ihre Eltern eine Bäckerei betrieben. Von dort aus verschlug es sie nach Hamburg, ihr Onkel Wilhelm – Polizist in Hansestadt – hatte ihr eine Stelle in einer dortigen Bäckerei besorgt. Lange hielt es sie dort jedoch nicht: „Die waren so eingebildet: Ich kam dahin, um das Verkaufen zu lernen und die drückten mir nur einen Besen in die Hand – ich sollte immer nur die Backstube fegen.“ Nachdem sie sich der Unterstützung Onkel Wilhelms sicher war, beendete Elsa Albanus ihre Anstellung auf kurzem Dienstweg: „Denen hab ich den Besen vor die Füße geschmissen“, erklärt die 105-Jährige mit einer Mischung aus übriggebliebener Empörung und rückblickender Belustigung. Nach einer weiteren Zwischenstation landete Elsa Albanus in Itzehoe, wo sie als Sprechstundenhilfe bei einem Zahnarzt anfing. Auch bei dieser Erinnerung lacht sie schallend auf und erzählt, wie sie dem Arzt bei einer Operation assistieren musste, weil dessen Frau nicht da war. „Und kurz darauf lag ich auch schon auf dem Boden – ohnmächtig“, berichtet sie.

Ihren Mann hat Elsa Albanus dann wiederum in Wesselburen kennengelernt. Mit ihm zog sie zunächst nach Hamburg, dann nach Ahrensburg. Knapp zehn Jahre nach dem Tod ihres Gatten zog Elsa Albanus dann zu ihrer Tochter und deren Familie nach Uelzen. Seit 35 Jahren – also ein Drittel ihres bewegten Lebens – lebt sie nun schon mit der Familie unter einem Dach, teilt Freud und Leid mit ihnen, viele schöne und ein paar weniger schöne Erinnerungen.

Von Karsten Tenbrink

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