Prozess um schwere räuberische Erpressung: Statt Verständigung startet die Beweisaufnahme

Bewährung bleibt fraglich

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Vor dem Landgericht Lüneburg wurden Ramadan N. und Suleiman K. im Juli 2012 erst zu Bewährungsstrafen verurteilt. Derzeit läuft erneut ein Prozess gegen sie unter anderem wegen schwerer räuberischer Erpressung.

Uelzen. Eine Verständigung im Prozess gegen die beiden Uelzener Angeklagten Ramadan N. und Suleiman K. ist nicht zustande gekommen. Hinter verschlossenen Türen hatten die 3. große Strafkammer des Landgerichts Lüneburg, die Staatsanwaltschaft sowie beteiligte Rechtsanwälte sich über eine mögliche Verständigung in der Verhandlung um schwere räuberische Erpressung und andere Delikte ausgetauscht.

Da aus Sicht der Kammer jedoch einige Unklarheiten bestehen und zu mutmaßlichen Tatzeiten bereits Bewährungsstrafen wegen anderer Fälle gegen die Angeklagten verhängt waren, wurde entschieden, bei der nächsten Sitzung mit der Beweisaufnahme zu beginnen. Das erklärte in der gestrigen Verhandlung die Vorsitzende Richterin Sabine Philipp.

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Anklage: 3000 Euro erpresst

Die 24 und 26 Jahre alten Angeklagten sollen unter anderem im September 2011 einen Mann in Uelzen räuberisch erpresst haben, bis er ihnen eine Summe von 3000 Euro übergab. Zudem sollen sie im März 2013 einen Mann in Uelzen bedroht und ihm mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben. Ramadan N. wird außerdem vorgeworfen, vor einer Diskothek in Uelzen im Januar und im März 2013 andere Männer mit Faustschlägen im Gesicht verletzt zu haben. Die Folgen dieser mutmaßlichen Tat wie Taubheitsgefühle im Gesicht und Tränenstau seien noch immer spürbar, weiß Sabine Philipp zu berichten.

Ob nach der aktuellen Verhandlung die Gesamtstrafe – vor dem Hintergrund voriger Verurteilungen beider Angeklagter vor knapp über einem Jahr – erneut auf eine Bewährung hinauslaufen kann, hält die Staatsanwaltschaft für fraglich. Bei der jüngsten Verurteilung im Juli 2012 wolle das Gericht Ramadan N. nahegelegt haben, dass es nur „mit Zudrücken beider Augen“ eine Bewährung gegeben habe, erläuterte Sabine Philipp. Ihm sei „deutlich vor Augen geführt worden, dass das Bestehen der Bewährung in seiner Hand liegt und im Fall weiterer Straftaten widerrufen wird“, sagte sie. So hatte das Landgericht Lüneburg am 19. Juli Ramadan N. zu einem Jahr und sechs Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung wegen unerlaubten Handels unter anderem mit Kokain, Amphetaminen und Marihuana in nicht geringer Menge verurteilt. Er soll außerdem nach Berlin gefahren sein, um eine Pistole und Munition zu kaufen. Nur wenige Stunden nach dem Erwerb war die Waffe bei ihm sichergestellt worden, so die Kammer. Wegen Beihilfe beim Drogenhandel und seiner Beteiligung am Erwerb der halbautomatischen Kurzwaffe war auch Suleiman K. am 19. Juli zu zehnmonatiger Bewährungsstrafe verurteilt worden.

Von Diane Baatani

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