Pestalozzi-Halle für Unterbringung hergerichtet / Wann wer einzieht, bleibt ungewiss

Bettenmachen für Flüchtlinge

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Erst hundert Betten beziehen, dann die Tischtennisplatte testen – die ehrenamtlichen Helfer der Uelzener Feuerwehr sind bei der Herrichtung der Notunterkunft in der Pestalozzi-Halle mit Spaß dabei und ein wichtiges Zahnrad von vielen.

Uelzen. Nicht der erste in letzter Zeit, denn seit Freitag ist der DRK-Mitarbeiter als Organisator verantwortlich dafür, die Sporthalle der Pestalozzi-Schule als Notunterkunft für Flüchtlinge herzurichten.

Diese betreibt der Landkreis in Amtshilfe für das Land voraussichtlich bis Mitte November. „Ich fühle mich einfach nur müde und erkältet“, sagte Busenius, der sich nach getaner Arbeit schlicht auf sein Bett freute.

Bis zu 14 Stunden am Tag hat er zuvor mit der Organisation zugebracht. Erfahrungsberichte eingeholt, Personen und Organisationen koordiniert, sichergestellt, dass von der Zahnbürste über Malecke bis hin zu Bauzäunen, die im hinteren Drittel der Halle Abteile mit jeweils fünf Luft-Betten abtrennen, alles bereit ist, wenn heute 100 Flüchtlinge die Halle beziehen. „Ich hoffe, wir haben an alles gedacht und die Menschen können sich hier wohlfühlen“, sagt Busenius. Wer, wann und wie viele Menschen tatsächlich kommen, dazu sagt Busenius lieber nichts – zu oft hat sich zuletzt die Halbwertszeit von Informationen als sehr kurz herausgestellt.

Die Notunterkunft ist aber für viele, wenn nicht für alle Eventualitäten vorbereitet: Kulturbeutel für die Ankommenden sind vorbereitet, die Betten gemacht und zusätzliche Steckdosen genauso wie W-Lan gelegt. Zwei Hausmeister werden vor Ort die wichtigsten Arbeiten erledigen und als Ansprechpartner fungieren – sie sprechen mehrere Sprachen. Im mittleren Drittel der Halle steht unter anderem eine Tischtennisplatte bereit, ab heute Nachmittag sollen hier Kinder spielen, malen und basteln können, Tageszeitungen in verschiedenen Sprachen zur Verfügung stehen und – wenn alles gut läuft – auch Satellitenfernsehen.

Für medizinische Erstuntersuchungen sind eigene Bauzaun-Abteile errichtet worden, Dolmetscher sind engagiert und auch ein Friseur soll ein Mal in der Woche zur Verfügung stehen. Essen liefert die Bevenser Diana-Klinik; dreimal täglich werden entsprechend Busenius’ Einschätzung geeignete Mahlzeiten in den Essensbereich im vorderen Drittel der Halle gebracht: „Kein Schweinefleisch, kein Vollkorn, nichts Saures.“

Zig Helfer diverser Organisationen und Einrichtungen waren allein gestern im Einsatz, ein Zahnrad griff in das andere. „Es war anstrengend, aber es lief gut“, urteilt Busenius – bevor er sich endgültig in Richtung Bett aufmacht.

Von Steffen Kahl

Nicht registriert, nicht untersucht

Die 100 Flüchtlinge, die heute in der Pestalozzihalle untergebracht werden sollen, hätten eigentlich zunächst in einer Erstaufnahmestelle des Landes Niedersachsen einquartiert und dort registriert sowie medizinisch untersucht werden müssen. Doch da die Erstaufnahmestellen alle überbelegt sind, verteilt das Land in diesen Tagen Flüchtlinge auf nahezu alle niedersäsischen Kommunen – ohne sie zuvor zu registrieren. Das soll in den nächsten Wochen nachgeholt werden: „Wir senden mobile Registrierungsteams aus“, erklärt dazu das Niedersächsische Innenministerium. Doch wie lange das dauern kann, erfährt man gerade in Lüchow. In der dortigen Polizeikaserne sind seit 6. September 650 Flüchtlinge untergebracht, registriert werden sollen sie erst Ende Oktober. Mittlerweile sind 150 von ihnen aber schon auf eigene Faust weitergezogen. Immerhin gab es in Lüchow schon eine Röntgenaktion – die Flüchtlinge wurden auf Tuberkulose untersucht.

Lesen Sie mehr zum Thema Flüchtlinge in der Pestalozzihalle, unter Anderem am Mittwoch, im E-Paper und in der Printausgabe der AZ.

Einrichtung der Notunterkunft Pestalozzi-Sporthalle

Einrichtung der Notunterkunft Pestalozzi-Sporthalle

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