Aus dem Gericht: 55-Jährige attackiert die eintreffenden Helfer

Betrunkene Frau droht Selbstmord an und will mit einem Polizisten boxen

Uelzen – Erst droht L. bei der Polizei mit Selbstmord, dann greift sie einen Beamten an, der ihr eigentlich helfen will. Sie tritt ihm unter anderem gegen das Schienbein, will mit ihm boxen und droht dem 47-Jährigen damit, ihm an die Genitalien zu fassen.

Das Amtsgericht Uelzen verhandelte nun den Fall der 55-Jährigen aus Bad Bevensen.

Das hat sich in den frühen Morgenstunden eines Montags im Oktober vergangenen Jahres zugetragen: L. ruft bei der Polizei an. „Wir hatten zum wiederholten Mal einen Einsatz bei Frau L.“, erinnert sich der geschädigte Polizeibeamte. „Sie hat in der Vergangenheit schon öfter angekündigt, sich das Leben zu nehmen.“

Als die Polizeibeamten kurze Zeit später bei der Frührentnerin klingeln, reagiert L. nicht. Sie schaffen es, die Wohnungstür aufzudrücken und finden die Frau schlafend auf ihrem Bett – offensichtlich betrunken. „Ich habe sie leicht an ihrer Schulter gerüttelt, doch sie hat nur gesagt, dass wir verschwinden sollen“, schildert der Zeuge.

Dann springt L. plötzlich auf. „Ich habe ihr gesagt: ‘Moment mal, so geht das nicht! Nicht so aggressiv!’, doch sie hat mich geschubst, die Arme hochgenommen und wollte mit mir kämpfen“, erinnert sich der Polizeibeamte. L. nimmt die Haltung eines Boxers an, woraufhin er ihr leicht den Arm verdreht, um einem möglichen Angriff vorzubeugen.

Das passt der ursprünglich hilfesuchenden Frau nicht: Sie tritt dem Polizeibeamten erst gegen das Schienbein, dann gegen den Oberschenkel und deutet schließlich an, ihm in den Schritt fassen zu wollen. Die Polizeibeamten haben genug: „Letztlich haben wir sie zum Streifenwagen geführt und sie in die Psychiatrie gebracht, wo sie zum wiederholten Mal aufgenommen wurde.“ Zuvor wirft L. noch ihren Koffer auf den Boden, weil sich die Polizeibeamten weigern, ihn für sie zu tragen.

Die Angeklagte lauscht interessiert und übt sich anschließend im Galgenhumor: „Jetzt weiß ich wenigstens, warum mein Koffer kaputt ist.“ Denn sie habe an den Vorfall keinerlei Erinnerung mehr. „Mir fehlen die Worte“, beteuert die 55-Jährige. „Wo ich das in dem Brief von der Polizei gelesen habe, war ich wirklich ein bisschen geschockt.“ Die ganze Geschichte sei ihr „unsagbar peinlich“.

Ihr Verhalten tut L. laut eigener Aussage leid. Kurz vor der Verhandlung hat sie sich bei dem Polizeibeamten entschuldigt, der die Entschuldigung annimmt: „Das glaube ich ihr auch, dass es ihr leidtut“, sagt der Mann aus. Verletzungen habe er zwar keine erlitten. „Aber für mich hat’s gereicht.“

Dass es sich bei L.s Auftritt um keinen einmaligen Ausrutscher handelt, beweisen ihre Vorstrafen: Mehrmals wurde sie bereits wegen Beleidigung, Körperverletzung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte zu Geldstrafen verurteilt.

Richter Rainer Thomsen kennt L. aus früheren Verhandlungen. „So etwas passiert fast immer, wenn Sie Alkohol getrunken haben“, erinnert er sich. „Ich möchte, dass so was in Zukunft nicht mehr passiert, dass Sie ihr Alkoholproblem in den Griff kriegen.“ Die Angeklagte pflichtet ihm bei: „Ich muss was tun. Das geht so nicht mehr weiter.“

Weil L. ohnehin über kaum Geld verfügt und der Polizeibeamte nicht verletzt wurde, beschließt Rainer Thomsen, dass Verfahren wegen geringer Schuld einzustellen. „Wenn so was noch mal vorkommt, dann stell’ ich das nicht mehr ein“, warnt er L.. Die ist erleichtert: „Vielen Dank.“

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