Drei Uelzener versteigern im Internetportal Ware, ohne zu liefern / Bewährungs- und Geldstrafen

Betrug um Smartphones & Co.

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Versteigert wurde im Internet, die bezahlte Ware jedoch nie geliefert.

Uelzen. Smartphones, eine Traumvilla für Puppen, Kinderwagen, Maxi Cosis und Buggys – 15 Mal haben sie Waren in einem Online-Versteigerungsportal inseriert. Die Waren kamen jedoch nie bei den zahlenden Kunden an.

Vor dem Uelzener Schöffengericht gestanden gestern zwei von drei Angeklagten aus einer Familie, in gemeinschaftlicher Zusammenarbeit das Geld kassiert, jedoch die zum Teil wertvollen Gegenstände nicht geliefert zu haben.

Wegen Betruges wurde eine 29-jährige Angeklagte zu einem Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt, und ihr 48 Jahre alter Familienangehöriger erhielt zehn Monate Haft auf Bewährung. Der dritte im Bunde, ein 32-Jähriger, wurde zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen von jeweils zehn Euro auf Bewährung verurteilt, da ihm ein Betrug bei Abgabe einer eidesstattlichen Versicherung vorgeworfen wurde. Inwieweit der 32-Jährige selbst an dem Betrug über das Online-Portal beteiligt war, wurde nach einer Verständigung nicht mehr genauer erörtert.

Das Gericht hatte in Absprache mit der Staatsanwaltschaft den Beteiligten vorgeschlagen, dass sie im Falle eines Geständnisses mit einer Strafminderung rechnen könnten. Der 29-jährigen wurde zur Last gelegt, unter verschiedenen Namen wie denen ihrer Töchter, im Online-Auktionshaus Waren angeboten zu haben, ohne deren Versand jemals vorgehabt zu haben. Auf ihr Konto und das der anderen Angeklagten wurden im Jahr 2009 sowie in den Jahren 2011 und 2012 für die Bestellungen Summen in unterschiedlichen Höhen überwiesen, insgesamt über 1500 Euro. Für den Fall eines Geständnisses wurde für die Angeklagte ein Strafrahmen zwischen einem Jahr und sechs Monaten und einem Jahr und zehn Monaten genannt. Ein Strafrahmen, den deren Verteidiger Helmut Springer nicht ohne Diskussion hinnehmen wollte: „Ein Jahr und sechs Monate – da stockte mir eben der Atem“, erklärte Springer aufgebracht. Die Anklage sei „mit der heißen Nadel gestrickt“. Zudem kündigte er an, sich von seinem Amt entpflichten zu lassen, da alle drei Verteidiger der drei Angeklagten aus derselben Kanzlei kamen und sich auch untereinander besprochen hätten. Er befürchtete, dass sich die Angeklagten gegenseitig beschuldigen könnten und darunter die Sozietät leiden könnte. Der Vorsitzende Richter Rainer Thomsen hingegen betonte, absichtlich diese Verteidiger bestellt zu haben, da er die Verständigung geplant hatte.

Unterdessen erklärte Verteidiger Bernd Manning, erst gestern Morgen erfahren zu haben, dass sein Mandant weder lesen noch schreiben könne. Der Angeklagte sei somit wider Erwarten über die Anklageschrift nicht informiert.

Das Gericht wies daraufhin, dass es sämtliche Käufer als Zeugen vorladen werde und mit drei bis vier Verhandlungstagen zu rechnen sei, wenn sich die Angeklagten nicht auf den Vorschlag einließen. Schließlich entschieden sich die Beteiligten, eine Erklärung abzugeben, und zwei von ihnen räumten den Online-Betrug ein.

Von Diane Baatani

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