„Die Zahl der Betrugsversuche nimmt zu“

Betrüger heuern Kurierfahrer an: Täter gehen teils sehr dreist vor

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Betrüger geben sich am Telefon als Polizisten oder auch als Enkel aus.

Uelzen/Landkreis – Betrüger sind rührig. Das zeigt einmal mehr die neue Kriminalitätsstatistik. 2181 Betrugsfälle sind für die Region Uelzen, Lüneburg und Lüchow-Dannenberg 2018 erfasst worden. Die Täter gehen teils sehr dreist vor, wie ein Fall aus Bad Bevensen zeigt.

Polizeisprecher Kai Richter wird nicht müde, es zu betonen: „Die Polizei nimmt keine Wertgegenstände in Verwahrung“ – wer am Telefon oder an der Tür aufgefordert werde, Schmuck und Geld auszuhändigen, damit es in Sicherheit gebracht werden könne, drohe Betrügern auf den Leim zu gehen. Die Täter geben sich gerne als Polizisten aus – diese haben in der Bevölkerung einen guten Leumund.

Täter lassen sich laut Richter immer wieder neue Geschichten einfallen – und sind nicht nur am Telefon und an der Tür anzutreffen, sondern vor allem auch im Internet. Mit dem zunehmenden Internethandel haben Verbrecher dieses Feld für sich entdeckt. „Es gibt eine Verlagerung vom Diebstahl hin zum Betrug“, sagt Richter.

In der Kriminalitätsstatistik 2018 sind für die Landkreise Uelzen, Lüneburg und Lüchow-Dannenberg insgesamt 2181 Betrugsfälle erfasst worden. Das sind mehr als im Vorjahr. Wenngleich die Zahl der Fälle nicht dramatisch gestiegen ist, für die Polizei bleibt das Thema brisant. Denn wie Kai Richter schildert, müsse ein Betrug vom Opfer angezeigt werden. Nicht jeder Betrugsversuch lande damit in der Statistik. Und Richter weiß: „Die Zahl der Betrugsversuche nimmt zu.“

Ein Fall aus dem Landkreis, der sich im vergangenen Jahr ereignet hat, zeigt, wie dreist Täter vorgehen. Ein Ehepaar aus Bad Bevensen ist dem Enkeltrick zum Opfer gefallen. Ein Täter gab sich als Enkel aus, bat um Geld – die „Großeltern“ übergaben „mehrere tausend Euro.“ Gleich darauf versuchten die Betrüger beim Ehepaar noch einmal ihr Glück, was dann zu polizeilichen Ermittlungen führte. Das Vorgehen der Täter nennt Richter „perfide“.

Das Geld der Senioren entgegennahm ein von den Tätern beauftragter Kurierfahrer, wie der Polizeisprecher berichtet. Er wurde als Außenstehender in den Betrugsfall involviert und über ihn versuchte die Polizei schließlich, an die Urheber oder Mittelsmänner heranzukommen. Mit einem Geldpäckchen machte sich der Fahrer – mit der Polizei in Schlepptau – auf den Weg. Die Aktion wurde an der Landesgrenze nach den Worten Richters abgebrochen. Die Tour sollte wohl in den Großraum Berlin gehen.

Richter mahnt noch einmal eindringlich zur Vorsicht. Die Täter seien auch rhetorisch gut geschult – „es kann niemand sagen, ich werde nicht zum Opfer.“

VON NORMAN REUTER

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