2020 ist nicht Uelzens Partymeile der Hotspot

Subventionsbetrug in Uelzen: Betrüger „fischen“ nach Corona-Hilfen

Der Bund hat Soforthilfen auf den Weg gebracht für jene, die in der Corona-Krise Einbußen erlitten haben. Das brachte so manchen auf kriminelle Ideen.
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Der Bund hat Soforthilfen auf den Weg gebracht für jene, die in der Corona-Krise Einbußen erlitten haben. Das brachte so manchen auf kriminelle Ideen.
  • Norman Reuter
    vonNorman Reuter
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In den Vorjahren beschäftigte die Uelzener Partymeile immer wieder die hiesige Polizei. 2020 mit coronabedingten Öffnungsverboten war das kein Thema. Genug Arbeit hatten die Ordnungshüter trotz allem.

Uelzen/Landkreis – Wer betrügt, der wird stets jemanden finden, der sich betrügen lässt. So sagte es der italienische Philosoph und Autor Niccolò Machiavelli. Im Corona-Jahr 2020 haben Bund und Land Hilfsprogramme für jene aufgelegt, die finanzielle Einbußen durch pandemiebedingte Einschränkungen erleiden. Das bringt Menschen auf kriminelle Ideen.

Gut ein Dutzend Fälle sind in diesem Jahr bislang im Uelzener Polizeikommissariat aufgelaufen, die sich um einen möglichen Subventionsbetrug im Zusammenhang mit Corona-Hilfen drehten. Das berichtet Kommissariatsleiter Dieter Klingforth im AZ-Gespräch.

„In einem überwiegenden Teil“, so Klingforth weiter, „ist es nicht zu einer Auszahlung gekommen.“ Damit sei es vorwiegend bei einem Betrugsversuch geblieben. Ein hoher Schaden sei also auch nicht entstanden.

Betrüger haben es auch immer wieder auf Senioren abgesehen, geben sich am Telefon beispielweise als Polizisten aus, um die Angerufenen zu Geld-Übergaben zu überreden. Dass diese Kriminellen sich nun auch des Thema Corona annehmen, ein solcher Fall ist dem Uelzener Kommissariat nur einmal in diesem Jahr bekannt geworden. Ein Anrufer erklärte, der Sohn liege mit Covid-19 im Krankenhaus, für die Behandlung sei ein Betrag zu zahlen. Wie Klingforth berichtet, lief der Betrugsversuch ins Leere: Der Sohn der Angerufenen befand sich zu dieser Zeit selbst in der Wohnung.

Zur Eindämmung der Pandemie sind sogenannte Lockdowns von Bund und Ländern verfügt worden, in denen das öffentliche Leben heruntergefahren wurde. Lokale und Geschäfte mussten schließen, eine Maskenpflicht in bestimmten Bereichen wurde erlassen und Vorgaben zu Kontakten gemacht, was die Uelzener Polizei beschäftigte. 60 Fälle von Ordnungswidrigkeiten wurden seit dem Frühjahr dokumentiert (siehe Seite 1). Die Zahl der festgehaltenen Körperverletzungen in direkten Zusammenhang mit dem Corona-Virus – beispielsweise Spuckattacken oder Bisse – bewegen sich im einstelligen Bereich.

In der Belegschaft des Kommissariats hat es drei Corona-Fälle bisher gegeben, informiert Klingforth. Die Ansteckung erfolgte nicht durch Einsätze, sondern – soweit bekannt – im privaten Bereich.

Wenn Reisen und Events ausfallen, die Lokale und Bars geschlossen haben, sind die Menschen öfter zuhause. Das macht sich bei den Einbruchszahlen für 2020 bemerkbar. Eine abschließende Auswertung liegt noch nicht vor. Klingforth kann dazu schon sagen: „Es gibt nach wie vor Einbrüche, aber sie sind deutlich heruntergegangen.“

Was die Fälle häuslicher Gewalt betrifft, bei denen Experten befürchteten, dass sie durch finanzielle Sorgen und einer engen räumlichen Nähe zunehmen könnten, erklärt Klingforth: In den Jahren 2018 und 2019 hätten die von der Uelzener Polizei erfassten Fälle bei etwa 100 gelegen. Für den Zeitraum Januar bis Oktober 2020 seien es bisher 81 gewesen. Aber: Die Beratungsstellen seien auskunftsfähiger, was die Lage betreffe. Nicht jede häusliche Gewalt werde nämlich angezeigt.

Zuletzt hatte das Uelzener Frauenhaus im September gegenüber der AZ erklärt, dass die Zahl der Hilfesuchenden ab dem Sommer „deutlich gestiegen“ sei. Die Betroffenen hätten von sehr massiver Gewalt berichtet, so seinerzeit die Auskunft.

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