Hinter Schloss und Riegel

Besuchsbegrenzung und mehr: JVA Uelzen passt sich Corona-Bedingungen an

Anstaltsleiterin Sabine Hamann zeigt einen umfunktionierten Besucherraum. Wegen Corona ist ein direkter Kontakt zwischen Gefangenen und Besuchern nicht erlaubt.
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Anstaltsleiterin Sabine Hamann zeigt einen umfunktionierten Besucherraum. Wegen Corona ist ein direkter Kontakt zwischen Gefangenen und Besuchern nicht erlaubt.

Uelzen – Beim Hineingehen breitet sich das Gefühl aus: Hier wird eine andere Welt betreten. Alle Türen in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Uelzen müssen von den Bediensteten einzeln aufgeschlossen werden, das Handy wird direkt im Schließfach verstaut.

Doch obwohl die derzeit rund 200 Häftlinge räumlich von der Außenwelt getrennt sind, ist auch in der JVA Uelzen das zurzeit alles bestimmende Thema „Corona“ angekommen. So war auch hier die Anstaltsleitung gezwungen, den Betrieb gemeinsam mit dem übrigen Personal auf die neuen Bedingungen anzupassen.

Das beginnt schon bei der Ankunft neuer Häftlinge. „Da hat sich massiv etwas verändert“, sagt JVA-Leiterin Sabine Hamann im AZ-Gespräch. Erste Neuerung: „Der Gefangene trägt ab der ersten Sekunde seines Aufenthalts eine Mund-Nasen-Maske.“ Das Tragen dieser Maske sei in den ersten zwei Wochen Pflicht, sobald der Häftling seinen Haftplatz verlasse. Auch ein Corona-Test werde so schnell wie möglich durchgeführt.

Eine weitere Änderung ist, dass jeder Neuankömmling in den ersten zwei Wochen von den anderen Häftlingen isoliert wird. Dies soll einer Ausbreitung des Virus bei einer möglichen Infektion vorbeugen. Zwei Infektionsfälle habe es bei Neuaufnahmen in Niedersachsen bisher gegeben, sagt Hamann. Eine Ausbreitung konnte jedoch verhindert werden.

„Das ist für manche auch hart“, meint Hamann mit Blick auf den fehlenden zwischenmenschlichen Kontakt. „Aber wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Gefangenen das verstehen.“ Als weitere Vorsichtsmaßnahme sollen die Doppelhafträume nach Möglichkeit nur einzeln belegt werden, fünf Plätze werden zudem für eine mögliche Quarantäne bereitgehalten.

Zwischenzeitlich sei die Aufnahme von neuen Gefangenen mit kleineren Vergehen oder ohne akute Fluchtgefahr landesweit ausgesetzt worden, schildert Hamann. Auf diese Weise sollte die Zahl der Häftlinge begrenzt und so das Infektionsrisiko gesenkt werden. „Wir wollen ja auch, dass die Belastung für die Gefangenen so gering wie möglich wird“, erklärt Hamann.

Als deren größte Belastung benennt Hamann die eingeschränkten Besuche. Über mehrere Monate waren die Besuchszeiten ganz ausgesetzt, inzwischen sind Besuche wieder möglich – unter Auflagen.

Waren vor der Corona-Krise jedem Häftling noch vier Besuchsstunden pro Monat erlaubt, sind es jetzt nur noch eine oder aber zwei Stunden per Videochat. Die persönlichen Besuche dürfen außerdem nur noch mit einer begrenzenden Glaswand zwischen Häftling und Angehörigem stattfinden. Außerdem kann immer nur ein Häftling gleichzeitig Besuch empfangen, und dann auch nur höchstens zwei Angehörige.

Diese vorsorgenden Maßnahmen sind nötig. „Eine Infektion in einem geschlossenen System ist wesentlich gefährlicher als eine Infektion im offenen Raum“, betont Sabine Hamann, schließlich müssten die Gefangenen rund um die Uhr versorgt werden.

Auswirkungen habe Corona darüber hinaus auch auf die Vollzugslockerungen, die kurz vor der Entlassung eines Gefangenen anstehen. Ausgänge oder einige Tage Urlaub für Häftlinge aus dem offenen Vollzug – also über Nacht der Haft fernzubleiben – seien zwar inzwischen wieder erlaubt, seien aber lange ausgesetzt gewesen, berichtet Hamann.

Auch geeignete Häftlinge aus dem geschlossenen Vollzug dürften in Begleitung von Personal wieder auf Ausgänge, um beispielsweise Behördengänge zu erledigen und sich für die Zeit nach ihrer Haft Wohn- und Arbeitsplatz zu organisieren.

Es sei wichtig, dass diese Gänge wieder ermöglicht werden, um die Gefangenen auf ihre Entlassung vorzubereiten, betont Hamann. Denn das Rückfallrisiko sei höher, wenn die finanzielle Situation des Häftlings nach seiner Entlassung ungeklärt ist, weiß die JVA-Leiterin: „Eine gute Entlassungsvorbereitung ist absolute Rückfallprävention.“ VON DANIEL BIELING

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