Staatssekretär aus dem Landwirtschaftsministerium bei Uelzener Bauern

Besuch bei der Wirklichkeit

Peter Bleser (links) und Henning Otte von der CDU-Bundestagsfraktion im Gespräch mit Landwirt Georg-Wilhelm Timm. Knapp zehn Bauern aus der Region trafen am Mittwoch auf die Politiker – viele von ihnen blicken besorgt in die Zukunft. Foto: Kahl
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Peter Bleser (links) und Henning Otte von der CDU-Bundestagsfraktion im Gespräch mit Landwirt Georg-Wilhelm Timm. Knapp zehn Bauern aus der Region trafen am Mittwoch auf die Politiker – viele von ihnen blicken besorgt in die Zukunft.
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Uelzen. Höheren Besuch können Uelzens Landwirte kaum haben: Auf Einladung von Henning Otte, Bundestagsmitglied der CDU aus dem Wahlkreis Celle-Uelzen, besuchte am Mittwoch Peter Bleser, parlamentarischer Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium, zwei hiesige Höfe.

So traf die große Politik auf die Wirklichkeit von knapp zehn Bauern aus dem Kreis – aber ob es ein Treffen unter Freunden oder doch eher gegnerischer Parteien war, wurde nicht ganz deutlich. Zumindest hielten sich warme Worte und kritische Töne in etwa die Waage.

Beispielsweise lobte Bleser auf dem Hof von Georg-Wilhelm Timm in Holdenstedt, der unter anderem Speisekartoffeln in großen Mengen erzeugt, die landwirtschaftlichen Betriebe und stellte ihre Bedeutung für die „Wertschöpfung im ländlichen Raum heraus“. Er lobte die hohe Qualität der Ware und die Pünktlichkeit der Lieferungen. Auch auf den vorherigen Besuch bei Landwirt Thorsten Riggert in Klein Süstedt sagte der Bundespolitiker: „Kompliment, was hier an Technik, Know-how und Marktorientierung besteht.“

Timm, der unter anderem seine modernen Kartoffel-Kühllager präsentierte, wies auf die Bedeutung der Beregnung für die Ernte hin. Nahezu 100 Prozent der Ackerfläche in der Region sei unter Beregnung, ergänzte Thorsten Riggert, Vorsitzender des Bauernverbandes Nordostniedersachsen. „Wichtig ist, dass man uns das machen lässt.“

Mit dem Themenkomplex Ge- und Verbote sowie Förderungen war dann aber auch ein für die Landwirte heikles Thema angesprochen. Bei einer abschließenden Kaffee-Runde kritisierten sie den Wust an Verordnungen, der im Grunde eine eigene juristische Abteilung auf den Höfen nötig mache.

Und während Bleser das Renommee deutscher Lebensmittel weltweit hervorhob, fragten die Landwirte, was ihnen die hohe Qualität nütze, wenn der Lebensmittelhandel nur preisorientiert einkaufe – und die gleiche Ware in Tschechien oder der Ukraine ohne hiesige Auflagen günstiger produziert werden könne. Gerade die Tierzüchter, deren weitere Existenz im Landkreis Riggert bei dem Treffen erneut in Zweifel zog, hätten unter der fehlenden Planungssicherheit zu leiden. Wer würde schon eine Million in einen Stall investieren, wenn die Vorgaben von heute morgen schon nicht mehr gelten würden, fragte ein Landwirt.

Ganz schlecht steht es allem Anschein aber nicht um die Landwirtschaft im Kreis. So stellte Riggert das große Interesse an Ausbildungsplätzen heraus und auch Henning Otte äußerte seine Überzeugung, dass die nächste Generation wolle – unter der Voraussetzung, dass es auskömmlich sei, einen landwirtschaftlichen Betrieb zu führen. Georg-Wilhelm Timm äußerte diesbezüglich Optimismus. Juliane von der Ohe hingegen meinte, dass sie froh sei, dass ihre Kinder den Hof der Familie nicht weiterführen wollten. Und darüber, dass diese dann nicht in der öffentlichen Wahrnehmung als „Tierquäler und Umweltverschmutzer“ dastünden, keinen Urlaub hätten und relativ wenig verdienten.

Bleser verwies abschließend auf den hohen Technisierungsgrad der Branche und weitere entsprechende Förderprojekte, um sich dann mit den Worten zu verabschieden: „Wir lassen Sie nicht im Stich.“

Von Steffen Kahl

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