Streitbarer Gast spricht bei Kreisversammlung des Bauernverbandes in Uelzen

Ein Berufsstand im Dilemma

Auch die Milchviehhalter ächzen unter den niedrigen Preisen für ihr Produkt. Die Erzeugerpreise für Fleisch und Getreide sind ebenfalls im Keller. Die Landwirte sind verunsichert darüber, wie es weitergehen soll. Foto: dpa

Uelzen/Landkreis. Mit Jakob Strobel y Serra hatte sich der Bauernverband Nordostniedersachsen einen streitbaren Gast zu seiner Kreisversammlung gestern Morgen in die Uelzener Stadthalle eingeladen.

Der Redakteur und stellvertretende Chef des Feuilletons der Frankfurter Allgemeine Zeitung sprach gut 20 Minuten lang über das Verhältnis von Landwirtschaft und Presse. Dass das oft nicht das beste sei, daran seien der Berufsstand und seine Verbandsfunktionäre nicht ganz unschuldig. Auch warf Strobel dem Berufsstand vor, sich Jahre zu spät geöffnet zu haben. Frei nach dem Dramatiker und Lyriker Bertolt Brecht (Erst kommt das Fressen, dann die Moral) sagte Strobel in Bezug auf die Massentierhaltung, dass bei vielen Verbrauchern mittlerweile die Moral vor dem Essen komme. Es wurde sehr still in der fast voll besetzten Stadthalle.

Das Bild der Nahrungsmittelproduktion habe die Landwirtschaft fast komplett dem Handel überlassen. „Da sehe ich eine Familie vor einer Mühle beim Picknick und eine Kutsche rollt vorbei“, schilderte Strobel einen TV-Spot für Lebensmittel. Dass Werbung und Wirklichkeit nicht mehr übereinanderpassen, merke der Verbraucher. In diesem Zusammenhang begrüßte Strobel die Image- und Infokampagne des hiesigen Verbandes „Ohne Buern ward dat nix!“

Vor Strobels Vortrag stellte Thorsten Riggert, Vorsitzender des Bauernverbandes Nordostniedersachsen, fest, dass die Landwirtschaft aktuell in einem Dilemma stecke. Die Gesellschaft wünsche, dass die Landwirte anders produzieren, aber der Verbraucher sei nicht bereit, dafür mehr zu zahlen. „Der Markt schlägt uns um die Ohren.“ Die Preise für Milch, Fleisch und Getreide seien im Keller. Der Handel setze auf Sonderangebote und verramsche die Lebensmittel zum Teil, so Riggert. „Die Verunsicherung unter den Landwirten ist groß.“ Wie soll es weitergehen?, fragte Riggert. Eine Antwort lieferte der Gast. Der sensibilisierte Verbraucher sei auch eine Chance für die Landwirtschaft, so Jakob Strobel.

Gewählt wurde auch: Einstimmig wurde Gerhard Hyfing als Vorstandsmitglied bestätigt.

Von Jens Schopp

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