Anlässlich des internationalen Welthundetages: Flauschige Spürnasen der DRK-Rettungshundestaffel finden vermisste Personen

Ein Bellen, das Leben retten kann

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Border Collie Eddie ist noch in der Ausbildung, doch Frank Hauptmann zu finden, bereitete ihm keine Probleme.

Uelzen. Schnurstraks rast Eddie auf den Mann zu, der reglos auf der Wiese liegt. Er setzt sich vor ihn, wedelt mit dem Schwanz und bellt zehn Mal, um Frauchen Ute Garbow anzuzeigen, dass seine Suche erfolgreich war. Diesmal war der Mann auf der Wiese nicht wirklich in Gefahr.

Er streichelt den flauschigen Border Collie: „Gut gemacht. “ Und dann gibt es ein Leckerli.

Hab’ dich gefunden! Border Collie Puzzle hat die Fährte aufgenommen und zeigt das mit lautstarkem Bellen. 

Diesmal war es nur eine Übung, aber so könnte es bald aussehen, wenn Eddie tatsächlich eine vermisste Person findet. Der zweieinhalb Jahre alte Rüde wird beim Uelzener DRK zum Rettungshund ausgebildet. In wenigen Monaten legt er seine Prüfung ab, die alle zwei Jahre wiederholt werden muss. „Das ist wie der TÜV beim Auto“, erklärt Ausbilderin Ute Garbow augenzwinkernd.

Gestern war internationaler Welthundetag. „Aber bei uns ist jeder Tag Hundetag“, sagt Frank Hauptmann. Gerade lag er noch auf dem Boden und ließ seine Fährte von Eddie aufnehmen, doch eigentlich sucht der stellvertretende Leiter der Rettungshundestaffel mit seinem Australien Shepherd Jesse selbst nach vermissten Personen.

Mit einem Satz springt der Australien Shepherd Jesse auf den Container, wo er Ute Garbow erschnüffelt hat.

Bereits zwei Menschen haben die Spürnasen in diesem Jahr gefunden und ihnen damit vielleicht das Leben gerettet: Einen verletzten Senior in einem Waldstück bei Eimke und eine orientierungslose, ältere Dame in einem Feld bei Celle. Das Besondere an den Flächensuchhunden ist, dass sie Vermisste auch finden können, ohne sie vorher „geschnüffelt“ zu haben. „Sie suchen nach menschlichen Gerüchen“, erklärt Ute Garbow.

Früher haben die als intelligent und gelehrig geltenden Australien Shepherds von Frank Hauptmann – wie könnte es anders sein – Schafe gehütet, gemeinsam ging es auf Wettbewerbe. „Jetzt sind meine Schafe aber zu alt“, erzählt er. Darum habe er nach etwas gesucht, das den quirligen Rüden auslastet – und stieß auf die Rettungshundestaffel, die in der Flächensuche, also auf Wiesen, Feldern und in Wäldern, eingesetzt wird und die DRK-Bereitschaft bei der Suche unterstützt.

Neben Jesse und den beiden Border Collies von Ute Garbow zählen noch zwei Shepherds, drei Labradore, drei Collies und ein Golden Retriever zum Team. Anders als bei Polizeihunden handelt es sich bei den DRK-Rettungshunden um die eigenen Vierbeiner der ehrenamtlichen Einsatzkräfte, was dazu führt, dass Mensch und Tier eine enge Bindung zueinander haben.

Viele Rassen seien als Rettungshund geeignet. „Gut ist es, wenn sie weder zu groß noch zu klein sind, damit sie in unwegsamem Gelände zurechtkommen“, weiß Ute Garbow. Außerdem ist ein unerschrockenes Gemüt wichtig, denn während der zwei- bis dreijährigen Ausbildung lernen die Hunde auch, bei Rauch oder lauten Geräuschen wie von einer Motorsäge cool zu bleiben.

Geduldig warten die Rettungshunde in ihren Boxen, dass sie von Frauchen und Herrchen zum Einsatzort gebracht werden.

Einmal ein amtlich geprüfter Rettungshund, können die Super-Spürnasen ihren „Job“ theoretisch bis ins hohe Alter erledigen. „So lange sie fit sind, spricht nichts dagegen“, sagt Frank Hauptmann, „denn das Suchen macht ihnen Spaß.“ So wedelt Eddie schon mit dem Schwanz, wenn das Herrchen seine Einsatzkleidung – ein Geschirr mit einem roten Kreuz, Glöckchen und Sicherheitslicht – in der Hand hält.

Derzeit baut das DRK auch eine Mantrailer-Sparte auf. Sie suchen nach bestimmten Personen, indem sie über eine Geruchsprobe, etwa einem Halstuch, die Fährte aufnehmen. Weil sie im Gegensatz zu den Flächensuchhunden an der Leine gehalten werden, können sie auch in der Stadt eingesetzt werden.

Das Team sucht immer nach neuen Gebieten, in denen es üben kann. Wer seinen Wald oder seinen Acker zur Verfügung stellen möchte, kann sich unter (05  81) 9 0 3 2 2 75 melden.

Von Sandra Hackenberg

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