Freie Rede, rhetorisches Feuerwerk – McAllister gestern Abend in Hochform

Belana festkochend

Schweißtreibender Wahlkampf: David McAllister mit CDU-Landratskandidat Heike Blume in der Stadthalle.

Uelzen. Der erste Beifall brandet auf, bevor die Besucher der CDU-Wahlveranstaltung in der Uelzener Stadthalle gestern Abend Niedersachsens Ministerpräsidenten überhaupt zu Gesicht bekommen. Der Applaus kommt vom Parkplatz, von den Mitgliedern der Bürgerinitiative Hohnstorf.

Die haben David McAllister soeben zwei Säcke Kartoffeln überreicht, Belana festkochend. Der Ministerpräsident ist spät dran, trotzdem stoppt er auf dem Weg in den Saal, hört sich das Anliegen der Hohnstorfer an.

Ihre Sorgen, dass ein Rastplatz im Zuge des Autobahnbaus die Ackerflächen zerschneide, kenne er, zeigt sich McAllister bestens informiert. Am Bau der A39 halte man fest, betont er, verweist aber darauf, dass Verkehrs-Staatssekretär Ferlemann ja eine Prüfung der Rastplatz-Lage zugesagt habe. Der Ministerpräsident hört zu, dankt höflich für das Vorbringen des Anliegens, verspricht die Kartoffeln zu spenden und lädt die BI-Mitglieder in die Stadthalle ein – „da ist es wärmer“. Spontaner Beifall von den verdutzten Hohnstorfern, die dann doch lieber draußen bleiben, während drinnen dann kräftig Wahlkampf gemacht wird. Mit McAllister als Hauptakteur. Und in Hochform. 60 Minuten brennt der Ministerpräsident ein rhetorisches Feuerwerk ab. Ohne Manuskript. In freier Rede. Ob das deutliche Bekenntnis zu Oberschulen und Gymnasien („mit der Gesamtschule als Ergänzung“), ob die klare Absage an Eurobonds („da erwarte ich, dass die Kanzlerin das auch in der politischen Auseinandersetzung gegenüber der Oppostion offensiv vertritt“) oder die scharfe Kritik an den eigenen Parteifreunden in Berlin („es wäre besser, in Berlin-Mitte nicht in jede Kamera zu sprechen“) – der Gast aus Hannover begeistert seine Zuhörer in der vollbesetzten Stadthalle. Zwischendurch ein kräftiger Schluck aus dem Bierglas – Wahlkampf pur. Und der mache, so McAllister in einer sprachlichen Anleihe bei Konrad Adenauer, nur Spaß, wenn man am Ende gewinnt. Diesem Ausspruch folgend, gibt der Regierungschef dem hiesigen Kandidaten Heiko Blume mit auf den Weg: „Lieber Heiko, wenn Du hier gewinnst und Landrat wirst, bekommst Du meine Handynummer“. Um kurz nachzuschieben: „Aber nur simsen oder anrufen, wenn es wirklich Wichtiges gibt.“ Beispielsweise den nächsten Besuch in Uelzen zu besprechen. Und der findet spätestens am 23. Dezember statt. „Dann komme ich, um am legendären Uelzener Adventskalender das letzte Fenster zu öffnen. Wenn es dann noch den einen oder anderen Glühwein gibt, umso besser.“ Sprichts und erntet von seinen Parteifreunden donnernden Schlussapplaus.

Von Andreas Becker und Thomas Mitzlaff

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