Amtsgericht Uelzen

Belästigung übers Handy: Junger Mann wegen Foto-Nachrichten an 14-Jährige verurteilt

Das Foto zeigt die Logos von Whatsapp und Snapchat.
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Im Fall, der vor dem Amtsgericht Uelzen verhandelt wurde, hatten sich Täter (18) und Opfer (14) über Snapchat und WhatsApp geschrieben – bis der junge Mann Fotos verschickt haben soll, die sein erigiertes Glied zeigten.
  • Lars Becker
    VonLars Becker
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Weil er einem Mädchen Fotos seines erigierten Gliedes geschickt haben soll, ist ein junger Mann am Amtsgericht Uelzen verurteilt worden. Längst häufen sich Belästigungen über soziale Netzwerke und Nachrichtendienste.

Uelzen – Schnell ist der Kontakt geknüpft. Es fängt mit harmlosem „Smalltalk“an, hört damit aber nicht auf. Die Rede ist von Unterhaltungen, die häufig über soziale Netzwerke wie Snapchat, Instagram oder Facebook beginnen und gerne bei Nachrichtendiensten wie WhatsApp weitergehen. Und der Inhalt dieser Konversationen wird bei Teenagern und Heranwachsenden offenbar immer schneller arg schlüpfrig.

Auch für die Hansestadt Uelzen und den Landkreis bestätigen das Ermittler von Polizei und Staatsanwaltschaft oder auch die Jugendgerichtshilfe. Sie alle wissen aus ihrer täglichen Praxis, dass sich Fälle von sexuellen Übergriffen im Netz immer mehr häufen. Haken an der Sache: Mit Zahlen lässt sich diese Entwicklung kaum belegen.

Die Verbreitung pornografischer Schriften wird zwar grundsätzlich als Straftat erfasst, doch häufig gibt es in solchen Ermittlungsverfahren weitere Vorwüfe. Das ist typischerweise Belästigung, geht aber bis hin zum sexuellem Missbrauch von Kindern, wenn der Adressat von derlei Bildern minderjährig ist. In die Statistik fließt nur das schwerwiegendere Vergehen.

Sehr private Fotos werden in Umlauf gebracht

Wie kommt es zu solchen Fällen? Ein Beispiel, das als trauriger Klassiker gilt: Ein Mädchen schickt dem Freund quasi als Liebesbeweis ein Foto, das sehr viel Haut zeigt. Wenn beide dann irgendwann kein Paar mehr sind, wird das sehr private Bild plötzlich aus Wut oder Enttäuschung heraus über soziale Netzwerke entgegen seiner urspünglichen Bestimmung in Umlauf gebracht – oftmals samt fiesem Spruch oder anderweitig manipuliert.

Als noch Fotos über Film entstanden, der zur Entwicklung beim Fachmann abgegeben werden musste, war das schwer möglich. „Selfies“ mit dem Smartphone machen es dagegen heute verführerisch leicht, Dinge zu tun, die später bereut werden könnten... Ein Ermittler, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, nennt es „die Pest“, dass Dienste wie „Snapchat“ Gesprächsverläufe nicht speichern. Der Chat ist für immer weg, falls das Opfer nicht gedankenschnell die Bildschirmansicht von Handy oder Tablet als „Screenshot“ festhält. Ein Fall aus genau dieser Gemengelage wurde letzte Woche am Amtsgericht Uelzen verhandelt.

Täter kannte Opfer ausschließlich virtuell

Da sollte ein zum Tatzeitpunkt im letzten Sommer 18-Jähriger laut Anklage eben über „Snapchat“ sein erigiertes Glied erst in der Hose und dann vollständig entblößt fotografiert haben. Die Bilder ließ er laut Staatsanwaltschaft einer 14-Jährigen zukommen, die er persönlich gar nicht kannte, sondern nur virtuell. Vor Jugendrichterin Dr. Hagemann musste sich der junge Mann übrigens deshalb verantworten, weil er wohl befürchtet hatte, von dem Mädchen angezeigt zu werden. Er erstattete selbst Anzeige bei der Polizei in Uelzen wegen übler Nachrede. Die nahm von Amts wegen Ermittlungen in dem Fall auf, den sie bis dahin gar nicht kannte. Im Ergebnis kam es zur Anklage wegen Verbreitung pornografischer Schriften und falscher Verdächtigung des Mädchens.

Der junge Mann gab zwar den Austausch harmloser Bilder mit der 14-Jährigen zu, bestritt jedoch vehement die Vorwürfe im Bezug auf Fotos seines Intimbereiches. Mehrfach wollte ihm Richterin Dr. Hagemann eine Brücke in Richtung Geständnis bauen, weil zumindest im Raum stand, dass er die Anzeige bei der Polizei eher auf Drängen der Familie erstattet und das Verfahren so selbst ins Rollen gebracht hatte. „Ich hab‘ aber wirklich nichts geschickt“, wiederholte er gebetsmühlenartig. Und sein Verteidiger behauptete, dass niemand die Fotos gesehen habe – eine Freundin des Opfers hatte das Gegenteil ausgesagt. Das Gericht verurteilte ihn nach fast dreistündigem Prozesses zu einer Geldstrafe von 400 Euro. Und wird sich wohl schon bald mit dem nächsten Fall befassen müssen.

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