2. Tattoo-Convention in Uelzen bot Insidern und Neulingen große Vielfalt

Bekenntnis zu buntem Leben

Die Techniken sind ausgefeilter, die Farben besser – trotzdem tut’s an manchen Stellen (wie an der Innenseite des Arms) etwas weh.

Uelzen. Aus ganz Deutschland waren Tattoo-Spezialisten zur 2. Uelzener Tattoo-Convention am Wochenende in der Jabelmann-Halle angereist. Nach der ersten Messe dieser Art in Uelzen hatte es so viele Anfragen gegeben, dass sich diese Messe in der Szene herumgesprochen hat.

„Ohne Termin sofort drangekommen“, freut sich Carina Mann aus Suderburg, die schon als eine der ersten zur Eröffnung kam, um ihr Tattoo auf Nacken und Schulter nacharbeiten zu lassen.

Mit Termín und auch ohne konnten sich die Tattoo-Fans in der Jabelmannhalle von den Körperkünstlern bearbeiten lassen. Fotos: Ph. Schulze (5) / Jansen (1)

Tattoos und Piercings in allen Formen und Farben gab es. Der neueste Schrei sind Skin-Diver: kleinste Implantate, die unter die Haut gepflanzt werden und auf die Schmucksteine, Perlen und Sticker geschraubt werden. „Auf der Messe sehe ich auch Motive und Stecker, die vor Ort nicht zu haben sind“, begründen die Besucher, was sie an der Uelzener Tattoo-Convention besonders interessiert. Außerdem bietet die Veranstaltungshalle ausreichend Möglichkeiten, die Messe mit einem bunten Begleitprogramm zu kombinieren, das zum Lebensgefühl der Tattoo-Freunde passt. Mit Musik von „Ski-King“ endet der erste Messetag in einer Party.

Wer bisher ganz ohne Tattoos durchs Leben ging, trifft bei der Tattoo-Convention auf eine illustre Gesellschaft. Irritiert von den teils martialisch anmutenden Körperbildern, aber auch begeistert von der künstlerischen Ästhetik, wollen sie sich „nur mal umsehen“.

Der Markt boomt, aber: Die sogenannten „Arsch-Geweihe“ – Tätowierungen überm Steißbein – sind out. Mindestens ein Anbieter auf der Messe hat sich auf das Entfernen von lästig gewordenen Abbildungen spezialisiert. „Das bin ich nicht mehr“, sagt zum Beispiel Stine aus Lüneburg. „Mein damaliger Freund fand das sexy. Jetzt muss es weg.“ Mehrere Sitzungen werden erforderlich bei einem größeren Werk.

Die Vorlage mal schnell daneben geklebt und los geht’s: Ein Totenkopf entsteht hier hinter dem Ohr eines Messe-Besuchers.

Tätowierungen sind keine flüchtige Erscheinung, das wissen alle. Simon kommt aus Braunschweig, weil sein bevorzugtes Braunschweiger Tattoo-Studio auf der Messe noch einen Termin frei hatte. „Wenn es erst mal drauf ist, gehört es zu einem, wie ein Körperteil und charakterisiert mich wie meine schiefe Nase“, erzählt eine junge Frau aus Hannover. Die Lust auf Tätowierungen gehört auch längst nicht mehr zu den kurzzeitigen Modetrends, wie man vor zehn Jahren noch dachte. „Ich habe das nie bereut“, sagt eine Besucherin, die sich ein Tattoo nacharbeiten lassen will, das sie als Jugendliche stechen ließ. „Ich trage keinen Schmuck“, sagt sie, und das Tattoo – ein Ring am Oberarm – „gehört zu mir und ist nur etwas verblasst“.

Die Farben sind heute besser, betonen die Fachleute und „es tut auch nicht mehr so weh”. Die Tattoo-Enthusiasten verbinden ein Lebensgefühl mit den Abbildungen, bestätigt auch Kerstin Guderley, die zum „bunten Leben“ steht und sich von Chris einen bejahenden Schriftzug in italienischer Sprache stechen lässt. Aber dieses Mal in Farbe.

Von Angelika Jansen

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