Als Beispiel empfohlen

Blumen für die Frauen der Familie: Für Mutter Birgit Alpers-Meyer (rechts) für die Hauptorganisationsverantwortung der Internationalen Sommerakademie und Ehefrau Sabine Frick, die als Cellistin und Quartett-Mitglied den musikalischen Beitrag leistete. Foto: Kaiser

Oldenstadt/Stadensen. Landrat Theodor Elster hört man selten schwärmen. Als er jedoch am Freitag im Historischen Zentrum Oldenstadt seine Rede mit: „Ich habe mich sehr auf diesen Termin gefreut, weil er wirklich etwas sehr Schönes ist“, begann und im Fortgang seine Worte mit Superlativen zu würzen wusste, begriffen die Zuhörer, wie sehr ihm sein Tun dieses Mal Herzenssache war. Der Landkreis vergab seinen Kulturpreis 2010/11 an den Pianisten Hinrich Alpers. Der so Geehrte ist mit 29 Jahren wohl der Jüngste in der Reihe der Kulturpreisträger.

Aus Stadensen kommend, besuchte Alpers mit sechs Jahren die Musikschule in Uelzen. Mit elf begann er die Ausbildung an der Musikhochschule Hannover, die Heimstatt auch nach dem Abitur blieb. Dazu kam ein einjähriger Aufenthalt an der Juilliard School New York (2005), von wo er nicht nur preisgekrönt, sondern auch mit seiner heutigen Ehefrau Sabine zurückkehrte.

Eigentlich sei es normal „wenn einer in der Provinz gut in Gang gekommen ist“, so der Landrat, dass er dann in die Großstadt ginge und „seine Heimat hinter sich lässt“. Nicht so Hinrich Alpers. Theodor Elster hatte überzeugende Begründungen für die Preisverleihung, indem er erstens die jährlichen Konzerte in der Heimatstadt nennt, die der Musiker absolviert und die er für selbstverständlich zu halten scheint, obwohl er schon lange zwischen Kanada und Vietnam, Wien, München und Berlin reüssiert und zahllose Wettbewerbspreise errang.

Aber „das Engagement für den Landkreis geht noch weiter“, betonte der Redner, zweitens Bezug nehmend auf die Dauerleihgabe eines restaurierten Steinway-Flügels für das Schloss Holdenstedt. Alle Kosten dafür trug der Spender selbst. Man könne solches Kultursponsoring allen „nur nachdrücklich empfehlen“, mahnte der Landrat mit Blick auf finanzkräftigere Personen und Firmen. Dritter Aspekt für die Auszeichnung und jüngstes Kind (neben Sohn Jasper) ist die Initiative Alpers‘ für die Internationale Sommerakademie, die im vergangenen August erstmalig stattfand. Der Piano-Meisterkurs sei ein internationales Spitzenereignis, sagte Elster, der sich selbst von der „atemberaubenden musikalischen Qualität“ überzeugt hatte. Zudem sei das Seminar beste Werbung für die Region. Summa summarum habe Hinrich Alpers „ein Zeichen für Kulturförderung im ländlichen Raum gesetzt und ein nachahmenswertes Beispiel gegeben“. Dafür konnte er jetzt den Kulturpreis entgegen nehmen.

Hinrich Alpers nannte die Auszeichnung in seinen Dankesworten „einen Vertrauensvorschuss“; denn seine bisherigen Preise seien immer mit „ganz bestimmter Leistung in Wettbewerben“ verbunden gewesen. Es ist jedoch ganz und gar falsche Bescheidenheit, wenn der Pianist seinen Einsatz und seine klugen Initiativen jenseits der 88 Tasten unter den sprichwörtlichen Scheffel stellen will. Sein Satz in vielen Interviews vom „etwas zurückgeben wollen“ war zu keiner Zeit Koketterie.

Von Barbara Kaiser

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