NABU-Landesverband tagt in der Uelzener Stadthalle / Besuch vom Minister

Beginnende Vermaisung

Besuch aus Hannover: Dr. Holger Buschmann (links) mit Umweltminister Dr. Stefan Birkner.

Uelzen. „In Zeiten der Finanzkrisen und Rettungsschirme ist es nicht immer leicht, mit Umweltthemen bei der Politik durchzudringen“, begrüßte Dr. Holger Buschmann,

NABU-Landesvorsitzender Niedersachsen die rund 200 Delegierten vom Harz bis ans Meer zu ihrer diesjährigen Versammlung am Sonnabend in die Uelzener Stadthalle gekommen waren. Umso erfreuter waren die Naturschützer, dass Umweltminister Dr. Stefan Birkner sich bereit erklärt hatte, sich den drängenden Fragen des NABU zu stellen. Doch wie der zurzeit zu beobachtende dramatische Verlust an biologischer Vielfalt in Niedersachsen gestoppt werden soll, konnte Birkner den Naturschützern nicht zufriedenstellend beantworten, scheute sich dennoch nicht, zahlreiche Projekte zu benennen, die erfolgreich von der Landespolitik unterstützt worden seien. Aus der Landwirtschaft wolle er sich vollständig heraushalten, ließ er sich zum Thema Flächenkonkurrenz ein.

Während die Kommunen aufgefordert werden, auf die Planung von neuen Gewerbe- und Wohngebieten zu verzichten, werden aus anderen politischen Ressorts raumgreifende Planungen für Autobahnen weiterhin forciert, die dem ökologischen Gleichgewicht schaden, heißt es kritisch unter den Mitgliedern des NABU. „Die Themen Flächenkonkurrenz, Vermaisung, Massentierhaltung, Wasserqualität und die mineralische Düngung werden von der Politik nicht adressiert“, stellt Buschmann enttäuscht fest, „die Produktion für Biogasanlagen und Massentierhaltung haben im Westen Niedersachsens schon die ganze Landschaft verändert“, kritisiert Buschmann, der auf dem Weg nach Uelzen eine deutlich beginnende „Vermaisung“ beobachtet habe. Vermutlich liege es an der Komplexität der bedeutenden Themen der Biodiversität, dass viele Menschen aber auch die Politik die Problematik nicht versteht und sich vernünftigen Lösungsansätzen verschließt. Und das obwohl aktuellen Studien zufolge über 90 Prozent der Bürger den Schutz der Natur für wichtig erachten.

„Wir spüren diese Haltung in der Bevölkerung an den steigenden Mitgliederzahlen“, bestätigt Buschmann, und spricht von einem Boom wie in den 70er Jahren, „der sich zudem an den zahlreichen Gründungen vieler kleinerer und größerer Gruppen spiegelt.“ Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) hat inzwischen über 73 000 Mitglieder in Niedersachsen, die überparteilich für die Natur Partei ergreifen. Daher ist der Jahresbericht gespickt voll mit kleineren und größeren Naturschutzprojekten aber auch mit Aktivitäten, wie das Klageverfahren gegen die Errichtung des Geflügelschlachthofes in Wietze. Allerdings liege der Schwerpunkt des NABU bei der praktischen Arbeit im Naturschutz von der Streuobstwiesenpflege über die Neuanlage von Hecken und Teichen bis zu großen Beweidungsprojekten mit robusten Tierrassen, um nur einige wenige zu nennen, die den Jahresbericht füllten.

Von Angelika Jansen

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