Beförderungsverbot für Ultras?

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Schon oft haben Fußball-Fans nach den Spielen das Inventar der Metronom-Züge zerstört. Auch am vergangenen Sonnabend wurde in den Waggons randaliert, bevor es im Bahnhof Uelzen dann zu Auseinandersetzungen mit den gegnerischen Gruppen kam.

Uelzen - Von Diane Baatani. Die Auseinandersetzungen zwischen Fans von Hannover 96 und dem FC St. Pauli am vergangenen Sonnabend im Uelzener Bahnhof haben Folgen. Die Bundespolizei klärt derzeit noch, ob sie für die Beteiligten ein zeitlich befristetes Beförderungsverbot anordnen wird oder mit Meldeauflagen versucht, künftig Randalen dieses Ausmaßes vorzubeugen.

Der Einheitsführer, der am Samstagabend in Uelzen anwesend war, der Leiter der Bundespolizeiinspektion und fachkundige Beamte haben bei ihrer gestrigen Konferenz die Vorgänge aufgearbeitet. Grund für das Aufeinandertreffen der rivalisierenden Gruppen in Uelzen waren Verspätungen der Züge aus Richtung Hamburg, die durch Weichenstörungen entstanden sind. Ursprünglich war es so geplant, dass die Fußball-Fans der Züge aus den entgegengesetzten Richtungen sich nicht in Uelzen begegnen, 88 Polizeibeamte waren vor Ort. Rund 200 St. Paulianer hatten bereits im Bahnhof einen Aufenthalt, dann kamen noch 200 weitere aus Richtung Gifhorn hinzu. Zeitgleich fuhr der Zug aus Hamburg mit über tausend Fans von Hannover 96 ein. „Die Einfahrt der Bahn sollte verzögert werden, das ist nicht passiert“, berichtet Detlef Lenger, Sprecher der Bundespolizeiinspektion Hannover. Noch sei unklar, ob der Polizeiführer diese Information zu knapp an die Bahn herangetragen habe oder aber sie von Seiten der Bahn nicht beachtet wurde.

Die Hannoverschen Fans, die hauptsächlich den als aggressiv und gewaltbereit bekannten „Hannover Ultras“ zuzuordnen sind, bewarfen nach Ankunft in der Uhlenköperstadt die Gegner mit Bierbechern und versuchten, die Gleise zu überqueren (AZ berichtete). Mittels Schlagstock und Pfefferspray haben nach Informationen von Lenger die 88 Beamten den Angriff verhindern und die St. Paulianer in ihren Zug Richtung Hamburg drängen können.

Es wurden sechs Strafanzeigen wegen Landfriedensbruchs und acht wegen Körperverletzung erstattet. „Die ,Hannover Ultras‘ fallen immer wieder auf, da sie total rücksichtslos sind und unbelehrbar“, sagt Lenger. Mit besonderen Auflagen wollen die Bundespolizei-Beamten nun verhindern, dass diese Gruppierung erneut randaliert.

Auch in den Zügen der Uelzener Eisenbahngesellschaft Metronom wurde randaliert, sagt Sprecherin Hannah Kohn. Bereits vor den Spielen stimme sich das Unternehmen mit der Bundespolizei ab und setze an den brenzligen Tagen mehr zusätzliches Sicherheitspersonal in den Zügen ein. „Wir achten schon darauf, dass wir die Fan-gruppen im Zug getrennt voneinander halten.“ Die Situation am Wochenende sei extremer gewesen, als man sie sonst kenne. Metronom habe kurzfristig einen Sonderzug ab Uelzen eingesetzt, um die Situation zu entzerren.

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