Väter wollen laut Gleichstellungsbeauftragter mehr Zeit mit ihren Kindern, werden aber ausgebremst

„Die Beförderung kann er knicken“

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Mütter, die arbeiten gehen, während der Vater in Elternzeit ist und sich zuhause um die Kinder kümmert, sind noch immer die Ausnahme.

Uelzen. „Einem guten Freund von mir wurde in einem Vier-Augen-Gespräch mit seinem Chef mitgeteilt, dass er sich einen neuen Job suchen kann, wenn er in Elternzeit geht“, schildert die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Uelzen Astrid Jansen-Kuhnke jüngst im Stadtrat.

Denn viele Arbeitgeber hätten für diesen Wunsch der Väter noch immer kein Verständnis. Es bleiben weiter die Frauen, die bei der Kinderbetreuung den Löwenanteil übernehmen und zuhause bleiben, anstatt arbeiten zu gehen.

Viele Väter wünschen sich mehr Zeit mit ihren Kindern.

Dabei wünschen sich laut einem Bundesbericht von 2017 vier von fünf Männern mehr Zeit mit ihren Kindern. Dafür wären sie auch bereit, ihre Arbeitszeit zu reduzieren. Doch das sei noch immer nicht der Normalfall. Beiden Elternteilen müsse es aber möglich sein, ihre Arbeitszeit zu kürzen, ohne dass ihnen dadurch Nachteile entstehen, findet Astrid Jansen-Kuhnke. Dieses Modell, betont die Gleichstellungsbeauftragte, könne man zwar niemanden vorschreiben. Doch es sollte für alle Eltern möglich sein, und dafür müssten entsprechende Rahmenbedingungen geschaffen werden. „Das Ganze ist nicht nur ein Frauenthema.“

Astrid Jansen-Kuhnke

Das ist nur ein Aspekt, den die Gleichstellungsbeauftragte jetzt bei ihrem aktuellen Bericht zur Gleichstellung in Uelzen aufzeigt. Dass es auch viele gibt, die noch an der klassischen Rollenverteilung festhalten, zeigt ein weiteres Beispiel aus ihrem eigenen Leben: Ihre Kinder sind mittlerweile acht und zwei Jahre alt. „Da habe ich meinem Mann vorgeschlagen, dass ich wieder arbeiten gehen könnte“, erzählt Astrid Jansen-Kuhnke. „Er hat mir geantwortet, dass er die Beförderung knicken könne, wenn er nur 32 Stunden pro Woche arbeitet.“

Solche Gespräche seien noch immer die Regel, berichtet sie. Neulich habe ein Mann über eine Vollzeit arbeitende Mutter gesagt: Warum schafft sie sich Kinder an? – „Werden arbeitende Väter auch mit solchen Vorwürfen konfrontiert?“, fragt Astrid Jansen-Kuhnke.

In vielen Gesprächen habe sie festgestellt, dass die Defizite bei der Gleichstellung entweder gar nicht wahrgenommen oder sowohl von Männern als auch von Frauen einfach akzeptiert werden. „Die Unterschiede sind da, sie werden gesellschaftlich gemacht und zeigen, dass es teilweise große Schieflagen gibt.“

Bei der Entlohnung und der Alterssicherung gebe es noch immer eklatante Unterschiede, berichtet Uelzens Gleichstellungsbeauftragte.

Das fängt laut der Gleichstellungsbeauftragten schon bei der Bezahlung an, denn die unbereinigte Lohnlücke in Deutschland betrage laut Statistischem Bundesamt 21 Prozent zwischen Männern und Frauen: „Zu Beginn einer Erwerbsbiografie ist sie statistisch relativ klein, steigt dann stark an und wird auch nicht wieder geringer.“

Hinzu komme, dass Frauen 52 Prozent weniger eigene Alterssicherungsleistungen beziehen als Männer. „Damit bilden wir im europäischen Vergleich das Schlusslicht“, sagt Astrid Jansen-Kuhnke. Demnach seien vor allem Frauen von Altersarmut bedroht. „Ich möchte nicht, dass Gleichstellung mit den Worten ‘Ist doch alles gut so, wie es ist’, abgetan wird“, sagt sie abschließend, „denn das ist es nicht.“

Von Sandra Hackenberg

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