Amtsgericht: Angeklagter hatte über Jahre zahlreiche Opfer

Bedroht, bespuckt und getreten: Ein Uelzener leidet bis heute

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Die Alewinstraße wurde im Februar 2015 zum Tatort, nachdem das spätere Opfer sich hier an die Einbahnstraßenregelung hielt, der Täter auf seinem Rad aber nicht. In einer Auseinandersetzung fügt Bernd K. Karl-Heinz G. körperliche und seelische Schäden zu.

Uelzen. Aus heiterem Himmel ändert sich am 9. Februar 2015 das Leben von Karl-Heinz G.: Mittags um halb zwölf, am helllichten Tage also, fährt der Uelzener mit seinem Auto von der Bahnhofstraße in die Alewinstraße, die hier Einbahnstraße ist. G. befährt sie richtig herum.

Nicht so Bernd K., der betrunken ist und in die Straße mit seinem Fahrrad verkehrt herum eingefahren ist.

Beide Männer fahren aufeinander zu. Es kommt zu keinem Zusammenstoß, K. stürzt aber dennoch. Er ist wütend, bedrängt G., der aus seinem Auto steigt. K. beleidigt und bespuckt G., bedroht ihn, packt ihn an der Jacke, drückt ihn nach unten und rammt ihm sein Knie in die Rippen.

Vor dem Amtsgericht sagt G. gestern aus, dass er an den Folgen bis heute leide. Monatelang habe er unter der Rippenprellung gelitten. „Lachen, husten, niesen – das ging alles gar nicht“, sagte G.

Aber während das Körperliche heilte, sei der seelische Schaden geblieben. Oft könne er nicht einschlafen oder er wache nachts auf, sagte G. Die Alewinstraße befahre er bis heute nicht und wenn ihm ein Fahrrad entgegen komme, stellten sich „alle Nackenhaare“ auf. Weil er mit seinen Problemen nicht klargekommen sei, habe er sich in psychologische Behandlung begeben, die noch andauere.

Karl-Heinz G. ist nur eines von diversen Opfern von K. Auf 24 Einträge im Bundeszentralregister bringt es der 29-Jährige. Von 2001 bis 2015 sammelt er Einträge; an Gerichten in Lüneburg, Kiel, Uelzen und Tostedt werden Verhandlungen gegen ihn geführt. Und Urteile wegen Diebstahl, Verstoß gegen das Waffengesetz, Körperverletzung, Beleidigung, wegen Besitz von und Handel mit Betäubungsmitteln sowie wegen Leistungserschleichung, Nötigung und zuletzt wegen Fischwilderei werden gesprochen. In vielen Fällen wird K. nach Jugendstrafrecht abgeurteilt, meist sind es Geldstrafen.

Neben dem Vergehen an G.werden K. in Uelzen gestern zwei weitere Taten zur Last gelegt: Er soll dem Zeugen H., der mittlerweile wieder Trinkkumpan im Bevenser Kurpark ist, Schutzgeld abverlangt haben. In dieser Sache äußern sich aber beide unklar und widersprüchlich. K. wird hierfür nicht verurteilt.

Ein weiterer verhandelter Vorfall fließt hingegen in die Strafe ein: Vor dem Bad Bevenser Lichterfest im Dezember 2014 griff G. zwei Männer an, die die Bevenser Fußgängerzone mit einem Firmenwagen befuhren. Sie waren mit Arbeiten für das Fest betraut. K. versucht zunächst einen Rückspiegel des Fahrzeugs abzureißen, beleidigt, bedroht und bespuckt dann beide Arbeiter.

Das Urteil: 10 Monate Haft auf Bewährung. In seiner Urteilsbegründung lobt Richter Thomsen das Schuldeingeständnis des Angeklagten: „Sie haben nicht drum herum geredet und sich entschuldigt. Sie haben ein kleines Kind, um das sie sich kümmern. Und sie beabsichtigen eine Alkoholtherapie.“ Diese machte der Richter auch zur Bewährungsauflage. Thomsen beschwor auch einen „Wendepunkt“ im Leben von K. Denn: „Wenn das so weitergeht, werden sich die Strafen erhöhen.“

Von Steffen Kahl

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