Tagesklinik für Jugendpsychiatrie: Landkreis wendet sich ans Sozialministerium

Bedarf für rund 800 Kinder

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Rund 800 Kinder und Jugendliche im Landkreis Uelzen sind behandlungsbedürftig, erklärt Dr. Gerhard Wermes, Leiter des hiesigen Gesundheitsamtes.

Uelzen. Im Wettbewerb um die Errichtung einer Tagesklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Uelzen hat sich der Landkreis eingeschaltet: Er unterstütze die. Initiativen, teilte Landrat Dr. Heiko Blume dem Niedersächsischen Ministerium für Soziales mit.

Dabei bezieht er sich auf zwei Anträge zur Errichtung einer Tagesklinik mit zwölf Plätzen samt Ambulanz in Uelzen. Die Psychiatrische Klinik in Lüneburg und die Seeparkklinik Bad Bodenteich haben ihre Bewerbungen dazu beim Ministerium eingereicht (AZ berichtete).

In seinem Schreiben weist Blume auf die Defizite im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie im Landkreis Uelzen hin. „Die Institutsambulanz der Psychiatrischen Klinik Lüneburg ist relativ weit vom Versorgungsgebiet entfernt und schwer zu erreichen“, erläutert Blume, „tagesklinische Plätze für Kinder- und Jugendpsychiatrie gibt es im Landkreis Uelzen nicht.“

Amtsarzt Dr. Gerhard Wermes, Leiter des Gesundheitsamtes der Landkreise Uelzen und Lüchow-Dannenberg, geht davon aus, dass im Landkreis Uelzen rund 800 Kinder und Jugendliche behandlungsbedürftig sind. Eine weit entfernte Einrichtung für die Behandlung täglich aufzusuchen, sei für sie oft besonders schwierig oder gar unmöglich. „Eine Tagesklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und damit zusammenhängende Einrichtungen der ambulanten Versorgung würde die Versorgung dieser Kinder deutlich verbessern.“ Die Psychiatrische Klinik etwa bietet aus diesen Gründen nur für Lüneburger Kinder und Jugendliche Plätze in der Tagesklinik an, erklärte deren Leiter Dr. Alexander Naumann auf AZ-Nachfrage.

Seit mehreren Jahren stand das Thema immer wieder in den zuständigen Ausschüssen des Landkreises auf der Tagesordnung. „Aufgrund knapper Ressourcen kommt es zu Versorgungsengpässen in der kinder- und jugendpsychiatrischen Versorgung, die in verschiedenen Arbeitsgruppen auf Landkreisebene immer wieder thematisiert, aber nicht gelöst werden können“, erklärt Blume. Die Entscheidung liegt beim Sozialministerium, das die Anträge der beiden Kliniken derzeit prüft. „Wir müssen neutral sein, was die einzelnen Anträge betrifft“, sagt Kreissprecher Martin Theine.

Eine Verbesserung der Versorgung führe mittel- und langfristig auch zur Einsparung von Kosten im Gesundheits- und Sozialwesen. Eine mangelnde Behandlung psychischer Störungen im Kinder- und Jugendalter beeinträchtige nicht nur die sozialen Kompetenzen der Betroffenen, sondern auch deren Bildungserfolg und damit deren berufliche Möglichkeiten.

Von Diane Baatani

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