Arbeitsgruppe zur Situation von Obdachlosen in Uelzen arbeitet an neuen Konzepten

Bausteine für mehr Integration

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Die Unterkünfte abseits der Stadt werden derzeit von 23 Männern und Frauen bewohnt.

Uelzen. Ein Anfang ist gemacht: Mit der Frage, ob die Obdachlosenunterkunft im Böh abseits der Stadt Uelzen weiter bestehen bleiben, oder aber an einem Konzept für eine stärkere Integration der Bedürftigen gearbeitet werden soll, haben sich gestern erstmals Mitarbeiter von sozialen Verbänden, Vertreter der Stadtverwaltung und der Agentur für Arbeit sowie interessierte Bürger befasst.

Wie berichtet, waren im vergangenen März in der Obdachlosenunterkunft im Böh zwei Bewohner nach Polizeiangaben nach einer falschen Befeuerung eines Kohleofens durch eine Kohlenmonoxidvergiftung ums Leben gekommen. Im April war dann das Thema vom Sozialpsychiatrischen Verbund aufgegriffen worden und Mitglieder des Sozialausschusses der Stadt hatten die Wohnsituation im Böh hinterfragt. So entwickelte sich auch die Idee einer Arbeitsgruppe, die sich grundsätzlich mit der Situation von Obdachlosen in Uelzen befasst. Daniela Faber, Leiterin der Ambulanten Hilfe im Herbergsverein, meinte gestern, dass die Arbeitsgruppe nicht dafür gedacht sei, die Gründe für den tragischen Tod der beiden Böh-Bewohner zu beleuchten. „Der tragische Fall kann aber Anlass sein, dass wir über neue Konzept für Obdachlose in der Stadt nachdenken“, sagte sie. In die Zukunft gedacht, könne ein Weg sein, die Obdachlosenunterkunft aufzulösen und für die Betroffenen beispielsweise Wohngruppen in der Stadt zu schaffen. Sozialpädagogin Christiane Friedrich unterstützte gestern diesen Gedanken. Sie wisse aus Nordrhein-Westfalen, dass dort bereits vor vielen Jahren solche Konzepte umgesetzt worden seien, was aus ihrer Sicht auch richtig sei. Denn: Die bestehende Struktur mit einer Unterkunft wie im Böh, in der die Bedürftigen sich gegenseitig herunterziehen könnten, biete keine Anreize, etwas an der Lebenssituation ändern zu wollen. Daniela Faber gab zu bedenken, dass es allein mit einer anderen Wohnsituation nicht getan ist, viele weitere Bausteine müssten für eine gesellschaftliche Teilhabe ebenfalls angepackt werden. „Das zieht Vieles nach sich“, sagte sie. In der gut eineinhalbstündigen Diskussion wurden teilweise diese Bausteine angerissen. Wie lässt sich bei einer dezentralen Unterbringung beispielsweise eine regelmäßige Betreuung organisieren?, wurde gefragt. Gegenwärtig werden wöchentlich Sprechstunden vom Herbergsverein für die gegenwärtig im Böh lebenden 23 Männer und Frauen angeboten. Der ehemalige Stadtdezernent Herbert Blödorn, inzwischen Ruheständler, regte an, dass als erste schnelle Lösung für eine stärkere Integration der Bewohner über eine Bushaltestelle im Böh nachgedacht werden sollte.

Einig waren sich die die Anwesenden schließlich, dass die Arbeitsgruppe fortgeführt werden sollte – mit öffentlichen Treffen alle zwei Monate. In einem ersten Schritt, so verständigte man sich, will sich die Arbeitsgruppe Wohnmodelle aus anderen Städten vorstellen lassen.

Von Norman Reuter

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