Bald muss Maria gehen

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„Maria bin ich genannt, ich rufe zu Gott für mein Land, nach Krieg und Not ich neu erstand“, verkündet die größte Glocke von St. Marien mit ihrer Inschrift. Sie muss in den nächsten fünf Jahren unbedingt ersetzt werden, sagt Küster Willy Strothmann.

Uelzen - Von Diane Baatani. Sie heißt Maria und ist ganz schön schwergewichtig. Ihr weicher, tiefer Klang in der Tonlage ais macht sie für ihre Uelzener Gefährtinnen zu einer einzigartigen Konkurrentin. Die Glocke Maria in der St.-Marien-Kirche in Uelzen ist mit ihren 3500 Kilogramm und einem Durchmesser von 2,06 Metern die schwerste und größte im Glockenturm.

Doch innerhalb der nächsten fünf Jahre ist für Maria Abschied nehmen angesagt. Mit ihren 61 Jahren hat sie das Durchschnittsalter von Stahl-Glocken übertroffen. Ihr graues Kleid, das ihr vor acht Jahren angestrichen wurde, trägt bereits braune Rostflecken und je stärker die sich vermehren, desto mehr deuten sie daraufhin, dass die Stolze nicht mehr lange durchhält. Die meisten dieser Art zerplatzen nach 60 Jahren während des Läutens, erklärt Küster Willy Strothmann.

Neben Maria hängen in St. Marien noch eine weitere Stahlglocke, die „Königin des Friedens“, und fünf Bronze-Glocken aus der Zeit zwischen 1647 bis 1954. Wenn die beiden aus Stahl durch bronzene ersetzt werden, gehen damit noch weitere Neuerungen einher. Denn für beide wurde ein Stahl-Glockenstuhl eingebaut. Dieser muss ausgebaut werden und durch einen Stuhl aus Holz ersetzt werden. Strothmann rechnet deshalb mit Kosten von 250 000 Euro.

Die Vibrationen von Maria und ihren Gefährtinnen übertragen sich auf das Mauerwerk. „Unten in der Kirche spürt man sie bereits, bevor man sie hört“, sagt Strothmann. Das hat neben anderen Ursachen dazu beigetragen, dass das Mauerwerk Risse aufweist und derzeit in mühevoller Arbeit saniert wird.

Für Strothmann ist die größte des Ensembles die mit dem schönsten Klang. „Es ist ein sehr weicher Ton und er hat eine hörbar langanhaltende Nachschwingzeit. Sie kommt schon ziemlich nah an Bronzeglocken heran“, sagt St. Mariens Küster und betont, dass diese musikalischen Riesen in der Liturgie der Orgel ebenbürtig sind. Jedoch können die stählernen nicht mit bronzenen mithalten. „Bronzeglocken haben einen wesentlich runderen Klang und eine längere Nachhallzeit.“

Zwei Glocken gehören zum Schlagwerk, die zur Stunde und Viertelstunde schlagen. Sie sind aus Bronze und mit dem Funksystem der Kirchturmuhr verbunden. Die fünf anderen bilden das Läutwerk. Sie werden während der Andachten und zu besonderen Anlässen in Schwingung gebracht. 40 Programmierungen hat Strothmann für das gesamte Jahr und sämtliche verschiedenen Anlässe eingerichtet.

Einzeln ist Maria nur an Karfreitag zur Sterbestunde Jesu zu hören. Und in der seltenen Situation, wenn in Uelzen eine Trauerfeier für einen verstorbenen Propst abgehalten wird. Aber es kann durchaus auch völlig unspektuläre Gelegenheiten geben, zum Beispiel wenn sich die AZ Marias Klang zeigen lässt.

Auch die Kombination der jeweiligen Glocken hat eine Bedeutung. Der Engelbert und die Osterglocke treten etwa beim Taufgottesdienst in Aktion, die Große Uhrschlagglocke und der Engelbert bei einer Trauung. Wer darin geübt ist wie Willy Strothmann, kann also am Geläut erkennen, zu welchem Anlass die Glocken klingen.

Es gab auch Zeiten, in denen sie gar nicht zu hören waren. Im Zweiten Weltkrieg wurden sie für militärische Zwecke eingezogen. Dadurch konnten sie auch beim Turmbrand 1945 nicht zerstört werden. Ein Großteil der Glocken von St. Marien ist deshalb erst in den 50er Jahren gegossen worden.

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