Kein Beschluss, weil Ortsratsmitglieder fehlen

Bahnübergang Celler Straße:
Brücke statt Schranke?

Ein Notarztwagen im Einsatz steht an der Schranke an der Celler Straße. Das Foto stammt von Klaus Ripke (UWG-Holdenstedter Bürger), der im Ortsrat sitzt.
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Ein Notarztwagen im Einsatz steht an der Schranke an der Celler Straße. Das Foto stammt von Klaus Ripke (UWG-Holdenstedter Bürger), der im Ortsrat sitzt.
  • Norman Reuter
    VonNorman Reuter
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Mit dem Ausbau der Amerika-Linie werden die Schließzeiten der Bahnschranken an der Celler Straße zwischen Veerßen und Holdenstedt länger. Ist eine Brücke die Lösung? Ein Ortsratsbeschluss dazu gab es zunächst nicht: Es fehlten Mitglieder oder sie kamen zu spät.

Uelzen – Rettungsfahrzeuge vor geschlossenen Bahnschranken? Das befürchtet die UWG-Holdenstedter Bürger an der Celler Straße zwischen Veerßen und Holdenstedt, wenn die Amerika-Linie ausgebaut ist. Daher hat sie im Juli beantragt, dass die Stadt sich jetzt rechtzeitig, noch bevor Planungen stattfinden und vor dem Ausbau ab 2025, für einen Tunnel oder eine Brücke ausspricht. In einer Ortsratssitzung vier Tage vor der Kommunalwahl stand der Antrag auf der Tagesordnung. Die Ironie dabei: Ein Beschluss des Ortsrates konnte dazu nicht gefasst werden, weil Ortsratsmitglieder fehlten oder aber verspätet eintrafen – dabei war ihnen noch Zeit gegeben worden. Letztlich hatte Ortsbürgermeister Erwin Reitenbach zu Beginn der Sitzung dann aber fürs Protokoll festhalten müssen: „Wir sind nicht beschlussfähig.“

Beraten wurde die Tagesordnung dennoch, damit auch der Antrag zum Bahnübergang Celler Straße. Den Hinweis der UWG-Holdenstedter Bürger im Antrag, dass sich Bund, Land und Bahn nach dem neuen Eisenbahnkreuzungsgesetz die Kosten für einen Tunnel oder eine Brücke teilen könnten, und damit Uelzen nichts zahlen müsste, schränkte Stadtbaurat Karsten Scheele-Krogull insoweit ein, als dass dafür die Notwendigkeit nachgewiesen werden müsse. Das werde schwierig. Die Details nannte Verwaltungsmitarbeiterin Silke Weidenhöfer.

Der Ausbau der Amerika-Linie dient dazu, dass mehr Güter über den sogenannten Ostkorridor – über Uelzen, Stendal, Magdeburg und Halle – von den Häfen ins Binnenland abgefahren werden können. Die Zahl der Züge werde steigen – von derzeit 104 Zügen auf der Amerika-Linie (mit 40 Güterzügen) auf 268 nach dem Ausbau (mit 180 Güterzügen), so Weidenhöfer. Die Schließzeiten der Schranken an der Celler Straßen würden nach Prognosen von jetzt sechs bis sieben Minuten pro Stunde am Tag auf 17 bis 18 Minuten pro Stunde steigen. In der Nacht würden sie dann bei maximal 22 bis 23 Minuten liegen, aktuell sind es fünf bis sechs Minuten. Indes würde die jeweilige Schließzeit der Schranken durch technische Neuerungen von zwei Minuten auf 1 Minute und 50 Sekunden sinken.

Was Rettungseinsätze betreffe, so erfolgte der Hinweis, dass Holdenstedt über die B 4 erreichbar sei. „Die Rettungsfahrzeuge des DRK sind an den Bartholomäiwiesen stationiert“, so Weidenhöfer. Auffahrten zur B 4 liegen nur wenige Hundert Meter entfernt. Weidenhöfer hält nach Gesprächen mit dem für das Rettungswesen zuständige Landkreis Uelzen fest: Die vom Gesetz her vorgegebene Zeit von 15 Minuten, in der ein Rettungsfahrzeug am Einsatzort sein muss, werde eingehalten.

Dem hielt später in der Sitzung Herwig Maaß entgegen: „Wenn es um Leben und Tod geht, dann sollte der Anspruch sein, schnellstmöglich vor Ort zu sein.“ Daniel Yves Helfrich (CDU) gab zu bedenken: „Kommt ein Fahrzeug vom Klinikum am Stern, haben wir schon ein Problem.“

Ist eine Notwendigkeit nicht zu belegen, erläuterte Karsten Scheele-Krogull, könne alternativ nach politischem Beschluss ein sogenanntes Verlangen gegenüber der Bahn ausgesprochen werden, wonach eine Brücke oder Tunnel mitgeplant werden soll. In diesem Fall müssten die Kosten durch die Stadt vorfinanziert werden, anteilig komme es zu einer Rückerstattung – je nachdem, welche Vorteile sich für die Bahn ergeben. „Denn eine Schrankenanlage müsste dann ja nicht mehr unterhalten werden.“

Nach einer groben Schätzung geht Scheele-Krogull mit Kosten für ein Brückenbauwerk an der Celler Straße von fünf Millionen Euro aus. Ein Tunnel werde ungleich teurer, führte Silke Weidenhöfer aus. Sie führte auch aus, welche Dimensionen eine Brücke hätte – bei einer mindestens zu erreichenden Höhe von sieben Metern über den Gleisen müssten entsprechend lange Rampen geschaffen werden. Sie kommt auf eine Länge von gut 250 bis 300 Meter für das Bauwerk, wobei zu schauen sei, ob das mit der vorhandenen Bebauung planerisch zu vereinbaren sei.

Herwig Maaß fand, es sollte weiter die Anstrengung geben, die Notwendigkeit für eine Brücke nachzuweisen. Hans-Jürgen Heuer (CDU) meint: Die Celler Straße sei eine wichtige Verbindung von Uelzen nach Holdenstedt, insofern solle weiter über eine Brücke beraten werden und Bürger auch eingebunden werden. Den Ausführungen von Heuer stimmte Ortsbürgermeister Erwin Reitenbach (SPD) zu.

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