Eine besondere Zugfahrt

Bahnhofsmission Uelzen begleitet Menschen mit speziellen Bedürfnissen

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Das begleitete Zugfahren ist eine Erfolgsgeschichte. Ohne dieses Projekt wäre es für die Martinshof-Bewohner schwierig, ihre Familien zu besuchen.

Uelzen/Hannover – Regelmäßig heißt es für die Bewohner der sozialtherapeutischen Lebens- und Arbeitsgemeinschaft Martinshof: Einsteigen bitte! Diesmal geht es mit dem Zug nach Hannover. Die Martinshof-Bewohner wollen ihre Familien besuchen.

Es ist keine alltägliche Zugfahrt. Begleitet wird sie von Wolfgang Scholz und Kirn Khalsa.

„Ich habe in den letzten zehn Jahren mehr als 3.500 begleitete Zugfahrten organisiert“, sagt Scholz, der bisherige Leiter der Bahnhofsmission in Uelzen. Für Khalsa – Scholz’ Nachfolger – ist es die zweite Fahrt. „Meist sind es Gruppen mit etwa 20 Personen“, schildert Scholz. Anhand einer Liste gehen er und Khalsa noch einmal durch, ob auch wirklich alle Bewohner des Martinshofs da sind.

Die Mitarbeiter der Bahnhofsmission helfen noch einigen Fahrgästen in den Zug, während sich die Anderen schon Plätze im Abteil suchen. Khalsa und Scholz zählen noch einmal durch. Alle sind da, es kann losgehen.

„Für viele Bewohner des Martinshofs ist Zugfahren eine Herausforderung“, erklärt Scholz. Doch auch sie wollen ihre Familien besuchen, die häufig nicht in Uelzen wohnen. Dann geht es mit dem Zug beispielsweise nach Celle, Hannover oder Salzwedel.

Umstiege, Zugverspätungen und -ausfälle – das sind für die Bewohner des Martinshofes besondere Herausforderungen. Denn Rollstuhlfahrer brauchen Hilfe beim Ein- und Aussteigen. Menschen mit Downsyndrom oder Autismus haben spezielle Bedürfnisse. Ohne Begleitung geht es nicht.

Während der Fahrt unterhalten sich die Mitarbeiter der Bahnhofsmission mit den Bewohnern. „Manche brauchen mehr Betreuung und Zuwendung als andere. Dass kommt immer auf den Einzelnen an“, sagt Wolfgang Scholz. Während der Fahrt überprüfen er und Khalsa, dass auch jeder am richtigen Bahnhof aussteigt.

Nach all den Jahren als Leiter der Bahnhofsmission übergibt Wolfgang Scholz nun sein Amt an seinen Nachfolger Kirn Khalsa. Für den gebürtigen US-Amerikaner sind die Fahrten noch Neuland. „Ich finde es immer wieder eindrucksvoll, mit welcher Ruhe und Übersicht Wolfgang alles meistert“, lobt er. Khalsa arbeitet sich in seine neue Rolle ein. Die Arbeit macht ihm Spaß. Nur die E-Mails „im Beamtendeutsch“ fallen ihm noch etwas schwer. „Aber das wird schon“, ist er zuversichtlich.

Es ist Scholz’ Verdienst, dass es das begleitete Zugfahren in Uelzen überhaupt gibt. Als er damals von dem Pilotprojekt erfuhr, war er sofort Feuer und Flamme. Nachdem klar war, dass die Bahnhofsmission in Hannover das nicht leisten konnte, entschloss sich Scholz, das für Uelzen zu probieren. Er hat den Schritt nie bereut.

Khalsa und Scholz freuen sich jederzeit über weitere Ehrenamtliche, die als Zugbegleiter arbeiten wollen. „Man muss zwei Dinge mitbringen: Freude am Umgang mit Menschen und Spaß am Zugfahren“, sagt Scholz. Und Khalsa ergänzt: „Es ist eine sehr erfüllende Arbeit, die einem viel geben kann.“

Für Scholz ist klar: „Die Fahrten möchte ich, so lange ich kann, weiter begleiten.“

VON MAX A. MORRISON

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