Von Woche zu Woche

Der Bahnhof auf dem Abstellgleis

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Der Hundertwasser-Bahnhof in Uelzen.

Waren das noch Zeiten – gerade einmal neun Jahre ist es her, dass Uelzens umgebauter Bahnhof europaweit Schlagzeilen machte. Die „Allianz pro Schiene“ kürte das vom Künstler Friedensreich Hundertwasser umgestaltete Bauwerk im Jahr 2009 zu Deutschlands Bahnhof des Jahres.

Diese Auszeichnung wird Bahnstationen zuteil, die zum einen als die schönsten im Lande angesehen werden, die aber auch durch eine besondere Kundenfreundlichkeit bestechen.

Die Initiative zum Umbau als Expo-Projekt war damals von drei Kommunalpolitikern angestoßen worden, die Deutsche Bahn aber schmückte sich natürlich gerne mit der Auszeichnung – schließlich ist sie der Hausherr.

Dass man aber als solcher auch eine besondere Verantwortung trägt, ist ein knappes Jahrzehnt nach der Preisverleihung bei der Deutschen Bahn AG offenbar in Vergessenheit geraten. Zum Fahrplanwechsel in fünf Wochen wird sie deshalb ihr Reisezentrum im Uelzener Bahnhof schließen und kann heilfroh sein, wenn der Metronom in die Bresche springt.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Bahn überdeutlich zeigt, dass ihr an Regionalität nicht allzu viel liegt. Schon mit der Schließung des Fahrkartenverkaufs in Bad Bevensen hatte sie für mächtig Wirbel gesorgt – schließlich kommen gerade in die Kurstadt mit ihren Kliniken und Heileinrichtungen überproportional viele auswärtige und ältere Gäste, die mit dem Zug anreisen und für die eine Beratung wichtig ist. Zum Glück gibt es nun noch wenigstens eine Agentur im Bahnhof, bei der man Fahrkarten bekommt.

Aber dass die Bahn auch der Kreisstadt Uelzen mit ihrem Paradebahnhof Adieu sagt – den Infopunkt mit seinen rührigen Kollegen (hoffentlich) mal ausgenommen – hätte man eigentlich nicht für möglich gehalten. Aber es passt ins Bild, das dieses Unternehmen mit immer mehr Verspätungen und katastrophaler Informationspolitik derzeit abgibt. „Oben“ wird versagt, die Basis, die vor Ort engagiert in den Zügen und Bahnhöfen arbeitet, badet es aus.

Uelzens Hundertwasserbahnhof ist erwachsen geworden, schrieb die AZ jetzt zum 18. Geburtstag nach der Neugestaltung. Und er ist eigentlich immer noch ein Schmuckstück mit der besonderen Atmosphäre, der Empore, die für Veranstaltungen eine einmalige Location ist und den engagierten Pächtern.

Ein ICE-Bahnhof ohne Reisezentrum

Das Leben für die Geschäftsbetreiber wird aber ohnehin schon nicht einfacher mit dem nächsten Fahrplanwechsel am 9. Dezember. Denn zwischen Hamburg und Hannover muss man künftig bei jedem zweiten Metronom dann nicht mehr in Uelzen umsteigen – entsprechend wird die Zahl der potenziellen Kunden, die sich die Wartezeit im Bahnhof vertreiben, deutlich zurückgehen.

Die Bahn schert das alles wenig – und selbst der Umstand, dass in Uelzen mit dem Fahrplanwechsel alle zwei Stunden ICE-Züge halten werden, beeindruckt die Verantwortlichen offenbar wenig. Ein ICE-Bahnhof ohne eigenes Reisezentrum – man ahnt, was alles Stückwerk ist bei der Deutschen Bahn AG im Jahr 2018.

Und so richten sich jetzt alle Blicke auf den Metronom, der den Fahrkartenverkauf übernehmen soll und grundsätzlich auch will. Allerdings ist dem Uelzener Eisenbahnunternehmen die Räumlichkeit zu groß und der Mietzins zu hoch – die Verhandlungen sind ins Stocken geraten, ein nahtloser Übergang ist fraglich.

Bleibt zu hoffen, dass man 18 Jahre nach dem Umbau den Hundertwasserbahnhof nicht noch weiter aufs Abstellgleis schiebt...

Von Thomas Mitzlaff

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