Von Woche zu Woche

Die Bahn auf dem Abstellgleis

„Wann denn, wenn nicht jetzt“, sagte ein Protestler, der eher am Rande stand und die Szenerie vor der Uelzener Stadthalle am Donnerstagabend betrachtete. Doch, jetzt, genau jetzt ist es an der Zeit, Flagge zu zeigen.

Damit das Kalkül, mit den Menschen auf dem Lande könne man es ja machen, nicht aufgeht. Denn offenbar dachte die Bahn, in der Provinz leichte „Opfer“ gefunden zu haben. So muss man den Verlauf früherer Informationsveranstaltungen im Kreis Uelzen zum Trassenbau interpretieren. „Da rauschen ein paar Herrschaften aus der Hauptstadt an und meinen, sie können die Dörfler mal eben so einlullen und beeindrucken“ – diesen Eindruck musste bekommen, wer die ersten Infoabende besucht hatte, die alles waren – nur eben keine Infoabende. Denn die Bahn-Vertreter zeigten sich deutlich schlechter informiert als die Zuhörer. Sie wussten nahezu nichts über Naturschutzgebiete oder andere Hindernisse.

Und so haben sich die Planer der Deutschen Bahn selbst zuzuschreiben, dass ihnen der Wind nun dermaßen ins Gesicht weht, dass sie Donnerstagabend eine der größten Protestkundgebungen in Uelzen der letzten Jahre auslösten. Da ist der Cafébetreiber in der Heide, an dessen Terrasse womöglich künftig Züge unmittelbar vorbei rauschen, da sind die Umweltschützer, die gravierende Eingriffe fürchten, und da sind die Einwohner unzähliger Ortschaften, denen schon in anderthalb Jahrzehnten nächtliche Güterzüge im Minutentakt den Schlaf rauben könnten.

Sie alle waren dabei am Donnerstagabend vor und in der Uelzener Stadthalle. Und bei aller Beklemmung, die zum einen die Informationspolitik, aber auch die Planung der Bahn als solche auslöst, bringt der Donnerstagabend noch eine ganz andere Erkenntnis: Wenn es wirklich darauf ankommt, kann man die Menschen sehr wohl mobilisieren in unserem Landkreis.

Wenn es um die Lebensqualität, die Zukunft, also an das Existenzielle geht, dann stehen nicht nur die Betroffenen auf, sondern dann gibt es eine große Welle der Solidarität mit ihnen. Unter einem schrillenden „Konzert“ von Trillerpfeifen und Tröten mussten sich die Vertreter der Deutschen Bahn den Weg in die Stadthalle bahnen, ein deutliches Echo auf die unsäglich schlechte Arbeit, die sie geleistet haben. Und es ist ein Lärm, den man auch andernorts nicht ignorieren kann. Nämlich im Berliner Bundestag, der ja letztlich über den Verkehrswegeplan und damit über solche Projekte entscheidet.

Denn die Botschaft ist klar: Dieser Donnerstagabend war erst der Auftakt, wenn jetzt in den Dialogrunden nicht auf Augenhöhe gesprochen und abgewogen wird.

Von Thomas Mitzlaff

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare