Landgericht erwägt, weiteren Gutachten zu befragen

Babytod – Geschehen bleibt im Dunkeln

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Uelzen/Lüneburg. Der Strafprozess gegen die 21-jährige Auszubildende, in deren Uelzener Wohnung im November vergangenes Jahr die Polizei ihr totes Baby gefunden hatte, könnte in den nächsten Verhandlungstagen eine Wende nehmen.

So hat der Verteidiger der jungen Frau, der Uelzener Rechtsanwalt Volker König, den Einsatz eines weiteren Rechtsmediziner empfohlen, der nach den bisherigen Ergebnissen der Obduktion aber auch der gesundheitlichen Untersuchung der Angeklagten einen „Unfall nicht auszuschließen vermag“ (AZ berichtete). Die Jugendkammer des Lüneburger Landgerichts zieht nun in Erwägung, einen weiteren Gutachter zu beauftragen.

Sofern für das im Dunkeln liegende Geschehen ein Unfall nicht ausgeschlossen werden könne, habe das Gericht möglicherweise im Zweifel für die Angeklagte zu entscheiden. Die junge Frau war im November in einem Celler Krankenhaus aufgefallen, weil sie augenscheinlich kurz zuvor ein Kind entbunden hatte, aber den Medizinern gegenüber beharrlich behauptete, nie schwanger gewesen zu sein und auch leugnete, ein Kind auf die Welt gebracht zu haben. Misstrauisch geworden, hatte das Allgemeine Krankenhaus Celle die Behörden benachrichtigt, woraufhin die Uelzener Polizei dann das in einen Müllsack gewickelte Baby in der Wohnung der 21-Jährigen gefunden hatte.

Das lebensfähige Baby sei kurz nach seiner Geburt durch einen „Erstickungsmechanismus“ ums Leben gekommen, so der Rechtsmediziner Hubert Kampmann. Ob dies durch ungeschickt abgelegte Arme oder Beine der Kindsmutter geschehen sein könnte, lasse sich nach den bisherigen Obduktionsergebnissen nicht ausschließen.

Darüber hinaus stellte Kampmann dem Gericht eine ganze Liste von fehlenden Untersuchungen zur Verfügung, die bei der Obduktion nicht vorgenommen worden waren. Dazu zähle unter anderem auch die Untersuchung auf eine mögliche Vergiftung. Damit könnten die Angaben der Angeklagten, die bis heute behauptet von der Schwangerschaft nichts bemerkt zu haben und die Geburt wegen einer Bewusstlosigkeit nicht erlebt zu haben, bestätigt werden.

Wegen Urlaubszeit einiger Prozessbeteiligter wird die Verhandlung bis Ende August mit weiteren sogenannten Sprungterminen fortgesetzt. Bis Mitte August will die Kammer jedoch eine Stellungnahme vom Rechtsmedizinischen Institut Hamburg einholen, das die Obduktion der Babyleiche vorgenommen hatte. Auch über das Hinzuziehen eines weiteren Sachverständigen wird sie gegebenenfalls entscheiden.

Von Angelika Jansen

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