Regionales Handwerk: Mehr freie Ausbildungsplätze, aber weniger Lehrverträge

Azubis sind heiß begehrt

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Die Zahl der Bewerber für Ausbildungen in Handwerksbetrieben nimmt ab. Nun überlegt die Branche, wo angesetzt werden muss, damit die Entwicklung gestoppt werden kann.

Uelzen/Landkreis. Die Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade spürt die Folgen des demografischen Wandels unmittelbar. Das erklärte die Kammer jetzt bei der Vorstellung ihrer Lehrstellenbilanz 2013.

So gab es im vergangenen Jahr in der Region insgesamt 5549 neu abgeschlossene Lehrverträge – ein Rückgang um 239 gegenüber dem Vorjahr. Dabei hätten sich erstmals die sinkenden Schülerzahlen bemerkbar gemacht, heißt es.

Eine ähnliche Entwicklung erlebt der Kreis Uelzen. Hier wurden 2013 insgesamt 286 neue Handwerksverträge verzeichnet. Das waren 14 weniger als im Jahr zuvor und 39 weniger als 2011. „Damit scheint der demografische Wandel auch im Handwerk angekommen zu sein“, sagt Norbert Bünten, Hauptgeschäftsführer der regionalen Handwerkskammer.

Gestiegen ist unterdessen die Zahl der erstmals angebotenen Ausbildungsplätze. 2012 hatten die Unternehmen in der Region noch insgesamt 1173 Plätze gemeldet, ein Jahr später waren es bereits 1221.

„Das zeigt, dass die Betriebe gerne mehr ausbilden wollen, aber nicht immer können“, meint Bünten. Die Handwerksunternehmen müssten sich daher vermehrt dem Konkurrenzkampf um die Schulabgänger stellen.

Dabei werde das Image des einzelnen Betriebs und damit auch die Qualität der angebotenen Lehrstelle immer wichtiger. „Gute Schulabgänger haben oft die Wahl zwischen mehreren Angeboten. Hier muss das Handwerk am Ball bleiben“, betont Bünten.

Das Problem der Nachwuchsgewinnung beschäftige das Handwerk sehr, bestätigt Günter Neumann, Abteilungsleiter für Berufsbildungsrecht bei der regionalen IHK, auf AZ-Anfrage. Ein Grund sei die wachsende Zahl der Akademiker in Deutschland. Seit Jahren steige hierzulande der Anteil der Abiturienten und Studenten. Zwar sei die Berufsorientierung in den allgemeinbildenden Schulen inzwischen verbessert worden. Trotzdem strebten immer noch viele Schulabsolventen in die „Krawattenberufe“. Außerdem sei vielen offenbar nicht bekannt, dass die Ausbildungsberufe im Handwerk modernisiert worden seien. „In den Köpfen der Eltern sind oftmals noch tradierte Vorstellungen“, bedauert Neumann.

„Um die Jugendlichen werben Hochschulen, Berufsbildende Schulen und die ausbildende Wirtschaft. Insbesondere das Handwerk benötigt für die Erbringung der Dienstleistungen und Werke Fachkräfte“, bekräftigt er. Deshalb werbe das Handwerk bei Schülern und Studenten, die sich umorientieren wollen, mit passenden Bildungsangeboten. Gefragt seien zunehmend „Hand- statt Hirnwerker“, fasst Neumann es salopp zusammen.

Von Bernd Schossadowski

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