Von Woche zu Woche

Bruchlandungen eines Bauamtes

+
Das Marktcenter am Veerßer Tor: Hier ziehen als Lebensmittelmärkte Rewe (4000 m²) und Aldi (1200 m²) ein.

Dieses Projekt war, man muss es so deutlich sagen, für die Verantwortlichen im Uelzener Rathaus leider zwei Nummern zu groß. Der Versuch, am südlichen Stadteingang mit einem Marktcenter Uelzens Position als Einkaufsstadt zu stärken, ist krachend gescheitert.

Statt eines Zugpferdes nur die „üblichen Verdächtigen“: Supermarkt, Discounter, Bäcker, Apotheke, Jeans-Laden...

AZ-Chefredakteur Thomas Mitzlaff

Es mag durchaus so sein, dass die Veränderungen am Markt die Ansiedlung eines Elektrofachmarktes schlichtweg unmöglich gemacht haben. Das ändert aber nichts daran, dass man im Bauamt bei der Zusammenarbeit mit dem Investor HBB hoffnungslos überfordert war. Oder anders formuliert: Die Stadtverwaltung bestach durch Unbedarftheit, während der Verhandlungspartner mit allen Wassern gewaschen war. Ein Beispiel: Vertraglich war lediglich der Baubeginn festgelegt worden. Dieser Verpflichtung kam HBB nach, indem sie ein paar Fuhren Sand von A nach B umschippen ließ. Für die Fertigstellung oder die Bekanntgabe der Mieter gab es dagegen keine Vorgabe...

Und so war das Projekt geprägt von Verzögerungen, Vertröstungen und letztlich der Erkenntnis, dass die hiesige Bauverwaltung offenbar kein Partner auf Augenhöhe sein kann, wenn auf der anderen Seite ein ausgekochter Investor steht. Ein Marktcenter in dieser Zusammensetzung wird keine Bereicherung für die Stadt sein. Natürlich werden die Käufer kommen, doch die Zielrichtung war eine ganz andere.

Jetzt ist die Bruchlandung da und es ist die zweite nach dem Umbau des Alten Rathauses, bei dem man die Rolle der Stadtverwaltung kritisch hinterfragen muss. Und die Kommunalpolitik hat das alles abgenickt und ist jetzt letztlich nur noch eine Marionette in einer Angelegenheit, die eigentlich als bedeutsamer Schritt für die Stadtentwicklung deklariert worden war. Zehn Monate vor der Kommunalwahl, zu der man ja Bürger als Kandidaten gewinnen will, ist das kein gutes Signal.

Da macht es Mut, dass der Verkauf von Uelzens hässlichster Innenstadt-Ruine, der Kaufhalle, nach vielen Jahren offenbar so gut wie perfekt ist. Das kann nur gut sein für die Stadtentwicklung, auch wenn der potenzielle Käufer, ein Uelzener Steuerberater, die Katze noch nicht aus dem Sack lassen will, was er mit dem Schandfleck vorhat.

In unmittelbarer Nachbarschaft steht ein großes (privates) Bauprojekt vor dem Abschluss, auch an der Mühlenstraße tut sich baulich eine Menge. Das macht Hoffnung zumindest für Teile der Innenstadt-Gestaltung. Wenn das Bauamt denn nicht dazwischen funkt...

Von Thomas Mitzlaff

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare