Autokorso über den Wochenmarkt

Geschäftiges Treiben zwischen den Wochenmarktständen auf der Veerßer Straße: Dort sollen am Sonnabend zur Marktzeit 65 Oldtimer durchfahren.Archivfoto: Ph. Schulze

Uelzen - Von Thomas Mitzlaff und Marc Rath. Die Versuche von Stadtverwaltung und Citymanager, die Akzeptanz für die neue Fußgängerzone in der Veerßer Straße zu erhöhen, stehen unter keinem guten Stern: Einen Tag nach dem Aufstand von Anliegern, die mit Vehemenz eine Aufhebung des Durchfahrtverbots fordern (AZ berichtete), gehen jetzt die Beschicker des Uelzener Wochenmarktes auf die Barrikaden.

Zielscheibe ist das Rathaus, das gestattet hat, eine internationale Oldtimer-Rallye des ADAC am Sonnabendvormittag direkt durch die Innenstadt zu leiten – zur besten Einkaufszeit mitten hindurch zwischen den Markt-ständen der eigentlich gesperrten Lüneburger und Veerßer Straße. „Eine Oldtimer-Rallye ist schon eine tolle Sache, aber was man hier vor hat, ist einfach indiskutabel“, empört sich Rüdiger Haack, Sprecher der Uelzener Wochenmarktbeschicker. Zwischen 9.30 und 11 Uhr sollen 65 Oldtimer im Schritttempo mitten durch die enge Marktgasse fahren, „ausgerechnet zu der Zeit, wo die Straße voll ist mit Einkäufern“, protestiert Haack.

Doch nicht nur wegen des Gedränges halten die Marktbeschicker das Vorhaben für kritisch: „Wir verkaufen hier Lebensmittel in offener Form und direkt vor den Ständen sollen 65 Autos mit älteren Motoren in einem langen Korso an unserem Stand vorbeifahren – das kann man doch nicht zulassen“, ist der Sprecher sauer. Geradezu absurd hält er die Behauptung von City-Manager Joachim Lotz, dass „eine Einschränkung des Geschäftsbetriebes“ nicht gegeben sei – im Gegenteil: „Wir möchten mit dieser Veranstaltung für den VitalMarkt, also Ihr Geschäft, wieder über die Stadtgrenzen hinaus werben“, schreibt Lotz in einem Brief, der am Mittwoch den Marktbeschickern zugestellt wurde.

Überhaupt stößt dieser Brief den Händlern sauer auf: „Wir hätten erwartet, dass man uns im Zuge der Planungen angesprochen hätte“, empört sich Haack. Den Beteiligten lediglich drei Tage vor der Veranstaltung ein Schreiben zukommen zu lassen, sei „eindeutig zu wenig“.

Offenbar haben Stadt und Citymanager die Route tatsächlich im Alleingang abgesteckt. Denn auch die Polizei wurde im Vorfeld nicht gefragt: „Wir waren überrascht, dass diese Rallye durch den Wochenmarkt fahren soll, und teilen die Bedenken der Beschicker“, erklärte gestern Günther Böhme, stellvertretender Leiter des Streifendienstes, auf AZ-Nachfrage. „Wir sind nicht gefragt worden.“

Eng werden dürfte es am Sonnabend nicht nur in den Wochenmarktstraßen. Die 65 Oldtimer steuern nämlich anschließend den Herzogenplatz für eine Zeitmessung an. Und dort treffen sich zeitgleich um 10 Uhr Motorradfahrer, die mit den SPD-Bundespolitikern Peter Struck und Kirsten Lühmann zu einer Bikertour starten wollen.

Derweil bleibt auch die Stimmung unter den Anliegern der Veerßer Straße angespannt. Christian Mocek, Inhaber des Fachgeschäftes Volber für Stahlwaren, Waffen und Jagdzubehör, kündigt zum 31. März 2011 seinen Rückzug aus der neuen Fußgängerzone an. „Ich kann mir das hier nicht mehr erlauben“, sagt der Kaufmann und betont, dass die Einführung der Fußgängerzone einen spürbaren Umsatzrückgang zur Folge hatte.

„Wer hier etwas von Wirtschaft versteht, kann eine solche Maßnahme nicht einfach beschließen“, kritisiert der CDU-Kommunalpolitiker die Entscheidung des rot-gelben Mehrheitsbündnisses im Stadtrat. Er sei mit vielen Kollegen in Kontakt, „die hart ums Überleben kämpfen“. Mocek will jetzt sein Geschäft mit seinem Standort an der Esterholzer Straße verbinden.

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