Mit dem Auto am Gemüse vorbei

Zwischen Obst und Gemüse führte die Oldtimer-Rallye hindurch. Auch bei den Teilnehmern stieß die Organisation nicht auf Begeisterung.

Uelzen - Von Barbara Kaiser. Die alte Dame rettet sich, fast möchte man sagen, mit einem Sprung, zur Seite. Die junge Mutter schlingt beide Arme um ihr Kind, damit es nicht unter die Räder kommt. Eine Marktfrau ruft ihren Bekannten zu: „Lasst euch nicht überfahren!“. Die Kommentare sind eindeutig. „Dafür haben sie das nun zur Fußgängerzone gemacht.“ „Das tut doch weh – Stadt Uelzen eben!“ „Und das stinkt, aber ehrlich….“ „Bescheuert“. „So was nennen sie Belebung!“

Bürgermeister Otto Lukat hätte seinen Standplatz auf dem Herzogenplatz am Sonnabend beim Start und der Vorstellung der alten Gefährte nur gegen einen kurzen Gang zwischen neuem und altem Rathaus eintauschen müssen; er hätte all das gehört aus dem Kreise seiner Bürger. Auch, dass die Entscheidung gefährlich nach „Basta“ seines früheren Parteivorsitzenden klänge. Helmut Breyer, Vertreter der CDU-Stadtratsfrkation hatte den Weg gemacht und sich verbaler Angriffe in der Veerßer Straße zu erwehren, so dass ihm nur zu sagen blieb: „Wir sind doch gar nicht gefragt worden.“

Und was sagen die Gäste aus ganz Norddeutschland in den Oldtimern, danach befragt, ob sie gemerkt haben, dass sie in der Durchfahrt Wochenmarkt in der Veerßer Straße nicht willkommen waren? „Wir verstehen das völlig“, gibt ein Paar in dem kleinen roten italienischen Flitzer mit Bielefelder Kennzeichen zu. Ein Herr in einem Göttinger Alfa geht noch weiter: „Ich organisiere selber auch solche Rallyes, ich hätte das nicht gemacht.“ Wolfgang Herring, der Vorsitzende des Automobilsportclubs Travemünde und Veranstalter der zweitägigen Fahrt von Lübeck über Lüneburg, Uelzen, Bad Bevensen zurück in die Hansestadt, schüttelt ebenfalls nur den Kopf: „Wenn ich weiß, dass die Bürger das nicht mittragen, wäre ich gut beraten gewesen, es zu lassen.“

So jedoch tuckern die 62 Autos, sich einen Weg bahnend, durch die Lüneburger und Veerßer Straße zum Herzogenplatz. „Wenn du selber mal mit dem Auto hier lang fährst, biste gleich im Arsch“, kommentiert das Spektakel bissig ein Uelzer. Rüdiger Haack, Sprecher der Marktbeschicker, sagt nur noch, die Achseln zuckend: „Ich habe den Dezernenten gefragt, ob er auch mit dem Auto durch den Supermarkt fährt. Er täte es nicht, war die Antwort. Aber durch unseren Markt dürfen sie und behaupten noch, sie täten es nur für uns!“ Sein Lachen klingt bitter. Zudem bejaht Haack die Frage, ob es am Sonnabend nicht gefühlt weniger Besucher zum Wochenmarkt gezogen hatte.

Als dann die zwischen 80 und 100 Motorräder der Struck-Tour, die zur selben Zeit auf dem Platz ihre Maschinen anwarfen, zur herbstlichen Ausfahrt im Landkreis Uelzen starteten, erreichten Lärmpegel und Geruchsbelästigung ihren Höhepunkt. Vielleicht war das sogar dem Himmel insgesamt zu viel Mief, denn es begann zu regnen.

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