Außerhalb der Komfortzone

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Im Rahmen des Überlebenstrainings lernte der gebürtige Uelzener Dieter Zube die Funktionalität und Behaglichkeit der für die Antarktis typischen übergroßen Daunenparkas kennen.

Uelzen - Von Thomas Mitzlaff. Den Wehrdienst verrichtete er als Flugzeugwart für Starfighter der Bundesmarine, sechs Jahre studierte er Luft- und Raumfahrttechnik, schrieb seine Diplomarbeit bei der NASA in den USA – seit 1997 ist der Uelzener Dieter Zube nunmehr als Ingenieur und Abteilungsleiter im Bereich der Raumfahrtantriebe in Seattle tätig. Ein Lebenslauf, der schon wie ein einziges Abenteuer klingt. Doch für den 46-jährigen Abiturienten des Herzog-Ernst-Gymnasiums ging erst im Dezember 2010 der ganz große Traum in Erfüllung: eine dreimonatige Tätigkeit auf einer amerikanischen Forschungsstation in der Antarktis.

„Geschichten der Entdecker und der Forschungsstationen, die ab Mitte der 50er Jahre auf dem antarktischen Kontinent und auch am Südpol eingerichtet wurden, haben mich schon immer interessiert“, schildert Zube. Deshalb bewarb er sich bei der amerikanischen Logistikfirma Raytheon Polar Services als Mitarbeiter zur Unterstützung der wissenschaftlichen Forschung und des alltäglichen Betriebs der Stationen.

Nach mehreren Jahren erfolgloser Versuche war es im Sommer 2010 soweit: Zube wurde als Mitarbeiter im Bereich der Treibstofflogistik für Flugzeuge, Fahrzeuge und Gebäude ausgewählt – „wenn man es so will, also in der Rolle eines total überqualifizierten Tankwarts“, schmunzelt der 46-Jährige. Dann ging es zunächst nach Neuseeland und von dort in einem fünfstündigen Flug im Frachtraum einer Militärtransportmaschine der US Air Force nach McMurdo. McMurdo ist mit etwa 1100 Einwohnern während der Sommersaison auf der Südhalbkugel von Oktober bis Februar die größte dauerhafte Station im ewigen Eis.

Von Anfang Dezember bis Ende Februar arbeitet der gebürtige Uelzener mit 20 anderen „Fuelies” (von der englischen Bezeichung für Kraftstoff „fuel”) zusammen, um die Versorgung von Flugzeugen und anderen Fahrzeugen, aber beinahe noch wichtiger von Gebäuden und Generatoren mit Brennstoff sicherzustellen. „Sicherlich würde eine wissenschaftliche Tätigkeit näher liegen und meinen beruflichen Kenntnissen besser nutzen“, weiß Zube: „Aber allein die Möglichkeit, im Kreise einer sehr engagierten und sehr erfahrenen Gruppe von Mitarbeitern ein kleines Rädchen im großen Räderwerk der Forschung zu sein, ist es wert, einfach mal das normale Umfeld zu verlassen und Erfahrungen außerhalb der üblichen ,Komfortzone‘ zu gewinnen“, schwärmt er.

Als wichtigster Lehrgang – und auch quasi als „Antarktistaufe” – muss jeder, der mehr als nur eine Woche „auf dem Eis” verbringt, für zwei Tage und eine Nacht den Kursus „Snow Craft 101” („Umgang mit Schnee für Anfänger”) besuchen. Man lernt, wie man sich im Notfall eine Schneehöhle baut, wie man sein Zelt bei Windstärke zehn aufbaut und wie man dann noch den Primuskocher anzündet. Für Dieter Zube fand dieser Kursus Mitte Dezember statt – bei Außentemperaturen von mittags vier Grad über Null, also deutlich über den Uelzener Temperaturen. Aber so gab es wenigstens mal die Gelegenheit, die Wärme-Isolation von „Big Red” – dem großen, überwarmen roten Daunenparka, den man von Fotos aus der Antarktis kennt – auszuprobieren.

Bis zur Heimreise Ende Februar wartet noch das alljährliche Auftauchen der Pinguine und der lang herbeigesehnte erste Sonnenuntergang seit Mitte Oktober auf die kleine Stadt am Rande des Eiskontinents. McMurdo liegt auf 78 Grad südlicher Breite und erlebt damit für vier Monate ununterbrochenen Sonnenschein – Mitternachtssonne.

Im März wird auch McMurdo wieder in den Winterschlaf fallen, wenn lediglich 150 Mitarbeiter die Station am Leben erhalten werden. Bis im September der Zyklus von neuem beginnt.

Und wenn einen Uelzener jetzt auch die Abenteuerlust packt: Man muss US-Staatsbürger sein oder zumindest eine uneingeschränkte Arbeitserlaubnis mitbringen. Die Bundesrepublik Deutschland betreibt mit der Georg-von-Neumayer-Station ihre eigene Station in der Antarktis, die vom Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven jeweils in der Sommer- und der Wintersaison betreut wird.

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