Zum Sockenkauf nach Lüneburg...

Ausschuss diskutiert über Probleme des Einzelhandels in Uelzen

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Ärgernisse: Leerstände und Baulücken in Uelzens bester Innenstadtlage.

Uelzen. Nach fast zwei Stunden Lamentieren über den demografischen Wandel, die Nachfolgesorgen von alternden Einzelhändlern, über nachlässige und gleichgültige Unternehmer, die Folgen des Online-Handels, die Ausbreitung von Filialisten und das Aussterben der inhabergeführten Geschäfte hat es Dieter Schwutke schließlich satt.

„Wir können doch die Zeit nicht aufhalten, und wir sind nicht für jeden verantwortlich“, wettert der CDU-Ratsherr – und selbstständiger Unternehmer – in der jüngsten Sitzung des Wirtschaftsförderungsausschusses. Und er legt nach: „Wenn wir ständig von Geschäftsleuten hören, dass alles so schlecht ist, dann sollten die sich überlegen, ob sie sich nicht lieber einen Chef suchen und sich anstellen lassen. Jeder muss auch selber etwas tun!“.

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Tun will aber auch die Stadt Uelzen etwas, um dem Einzelhandel Rückenwind zu verschaffen. So sei ein Einzelhandelskonzept, wie es Uwe Schwenke vom Handelsverein angeregt hatte, bereits in der Planung, kündigt Bürgermeister Jürgen Markwardt an. Schwenke hatte darüber hinaus vorgeschlagen, auch ein Stadtentwicklungskonzept und ein Stadtmarketing zu entwickeln. Und: Nicht mehr vermittelbare Ladenflächen in B-Lage könnten zu hochwertigem, innerstädtischem Wohnraum umgenutzt werden.

Schwenke spreche dem Bürgermeister damit aus der Seele, sagt dieser. In Uelzen sei durchaus „etwas machbar“, Zahlen und Studien, unter anderem der IHK, belegten dies. Nur: „Leerstände sind leider nicht alleinig das Problem der Stadt“, mahnt Markwardt. „Wir müssen die Leute immer wieder daran erinnern, dass Eigentum auch verpflichtet.“ Das größte Problem sei obendrein, dass die Uelzener selbst ihre Stadt schlecht redeten.

Vielversprechend, so kommen die Ausschussmitglieder überein, könnte auch das Projekt „Ilmenaustadt“ rund um den Herzogenplatz sein (AZ berichtete), das den Aufenthaltswert in der Stadt erhöhe und Einkaufen zum Erlebnis machen könnte. Und Rolf Tischer (Piraten) hat die leise Hoffnung, dass sich dadurch auch noch weitere 1a-Lagen ergeben könnten.

Trotzdem gibt CDU-Ratsfrau Silja Eichmann-Bartels Eines zu bedenken: „Man kann von niemandem erwarten, dass er in Uelzen ein Geschäft eröffnet, wenn die Leute zum Sockenkaufen nach Lüneburg fahren. Man fragt sich da wirklich, ob die Uelzener Geschäfte nur als Staffage betrachtet werden. Jeder muss sein Konsumverhalten auf die Probe stellen.“ Und wie Dieter Schwutke es eingangs auf den Punkt brachte: „Jeder Geschäftsmann ist in der Verantwortung.“

Von Ines Bräutigam

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