Rasante Ausbreitung des Jakobskreuzkrauts / Naturnahe Bewirtschaftung fördert Giftpflanze

Hochgiftige Pflanze bereitet Tierhaltern Sorgen

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Blüht schön, ist aber giftig: Das Jakobskreuzkraut (Senecio jacobaea) breitet sich auch auf den Viehweiden im Landkreis Uelzen aus.

Rätzlingen/Uelzen. Harmloser kann eine Bedrohung nicht daherkommen: Die gezähnten Blätter könnte man glatt übersehen. Die kleinen gelben Blüten machen sich gut im Feld- und Wiesenstrauß für Mama.

Doch Pferdehalter fürchten das hochgiftige Jakobskreuzkraut, das sich scheinbar unaufhaltsam ausbreitet. Seit im Kreis Ostholstein zwei Schottische Hochlandrinder mutmaßlich Senecio jacobaea zum Opfer gefallen sind, wird im Nachbarland über Gegenmaßnahmen diskutiert. Auch im Kreis Uelzen sind Tierhalter besorgt.

„Das Zeug ist höllisch giftig“, meint Rudolf Michaelis aus Rätzlingen, Vorsitzender des Verbands der Weidetierhalter Nordostniedersachsen. Schon geringe Dosen der in der Pflanze enthaltenen Pyrrolizidinalkaloide können schwerwiegende Leberschädigungen hervorrufen. Michaelis berichtet von Pferdehaltern, die mit der ganzen Familie ausziehen, um das tückische Kraut mit der Wurzel auszurotten. Seine eigenen Flächen sind zu groß, um die 70 Mutterkühe und 130 Kälber der Rasse Welsh Black auf diese Weise zu schützen.

Warum sich das Jakobskreuzkraut ausbreitet, ist bislang nicht endgültig geklärt. Fest steht aber, dass das Blümchen auch mit mageren Böden zufrieden ist, wie sie sich an Weg- und Grabenrändern und auf extensiv bewirtschafteten Flächen finden. Deshalb sieht Michaelis auch die Kommunen in der Pflicht: „Wo nichts gemacht wird, kein Dünger, keine Beweidung, nicht gemäht wird, da breitet sich das Jakobskreuzkraut aus.“

Für sich selbst hat der Rinderhalter bereits Konsequenzen gezogen: Er ist vor zwei Jahren aus der Förderung für extensive Weidetierhaltung im Niedersächsischen Agrar-Umwelt-Programm (NAU) ausgestiegen. „Soll ich meine Tiere vergiften?“, fragt Michaelis. Die Giftspritze mag er nicht einsetzen. „Kurzhalten ist das Vernünftigste, damit das Kraut nicht zur Blüte kommt.“

Eigentümer verwilderter Flächen können nicht zum Mähen gezwungen werden. „Das Pflanzenschutzgesetz gibt keine Handhabe her“, betont Dr. Luitpold Scheid von der Landwirtschaftskammer in Uelzen. Bei sehr starkem Befall rät er, die Weide durch einen Landwirt mit einem Herbizid spritzen zu lassen. Danach ist jedoch eine Wartezeit von bis zu 28 Tagen nötig. „Es gilt den Anfängen zu wehren. Jede Pflanze kann bis zu 100 000 flugfähige Samen bilden“, erklärt Scheid. Intensive Bearbeitung helfe: Düngen, mähen, Lücken nachsäen.

Das findet auch NABU-Kreisvorsitzender Karl-Heinz Köhler akzeptabel, allerdings nur als Ausnahme: „Vom Naturschutz her wäre das genau das Falsche. Wenn man sehr stark düngt, geht die Artenvielfalt verloren.“

Von Gerhard Sternitzke

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