1,7 Mrd. Euro für zweigleisige Uelzen-Stendal-Strecke / Baubeginn Ende 2012

Ausbau im ICE-Tempo

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Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (links) und Vorstandschef Rüdiger Grube stellten jetzt die Ergebnisse des Bahngipfels vor.

Uelzen/Stendal. Die Deutsche Bahn AG macht Druck. Im ICE-Tempo soll die Strecke Uelzen-Salzwedel-Stendal durchgehend zweigleisig ausgebaut werden. Eine neue Hochgeschwindigkeitsverbindung auf der traditionellen „Amerika-Linie“ ist indes nicht geplant.

Es geht vorwiegend um den Güterverkehr. Nur knapp zwölf Monate sollen die Ende dieses Jahres beginnenden Arbeiten dauern. 57 Millionen Euro sind dafür veranschlagt.

Die Deutsche Bahn AG und die Landesregierung Sachsen-Anhalts betrachten das Projekt als wichtiges Signal für den gesamten mitteldeutschen Wirtschaftsraum. „Diese Strecke ist von zentraler Bedeutung für Transporte von den Seehäfen in Richtung Osten. Mit der vorhandenen Infrastrukturkapazität kommt der Verkehr hier schnell an seine Grenzen“, sagte Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) auf dem Bahngipfel Sachsen-Anhalt. „Wenn wir unser Ziel, mehr Verkehr auf die Schiene zu holen, verwirklichen wollen, müssen wir jetzt am Ausbau unseres Schienenrückgrats arbeiten.“

Bahn-Chef Rüdiger Grube denkt in noch größeren Dimensionen. Sein Unternehmen will damit einen „Bypass“ schaffen, um die chronisch überlastete Nord-Südverbindung von den Nordseehäfen nach Süddeutschland und Italien zu entlasten. Insgesamt sei der Güterverkehr seit der Jahrtausendwende um 35 Prozent gewachsen.

Grube und Haseloff sprachen sich übereinstimmend dafür aus, die Eisenbahninfrastruktur in Sachsen-Anhalt weiter auszubauen. Dazu gehört ein zweites Bahnhofsprogramm, das die Modernisierung und Verschönerung von 25 Haltepunkten umfasst. In diesem Rahmen sind ab kommendem Jahr auch umfangreiche Arbeiten am Bahnhof Stendal geplant. Insgesamt will der Konzern bis 2016 1,7 Milliarden Euro im Land investieren. Davon werden aber in erster Linie die Knotenpunkte Magdeburg und Halle, sowie der Süden des Landes profitieren. Mit Inbetriebnahme der ICE-Neubautrecke Nürnberg-Erfurt-Leipzig/Halle-Berlin werde sich die Fahrzeit zwischen der Hauptstadt und München auf unter vier Stunden reduzieren. „Ich bin mir sicher, dass dann die Flugverbindung zwischen beiden eingestellt werden, weil es sich nicht mehr lohnt in den Flieger zu steigen“, scherzte Grube.

Durch seine zentrale Lage spiele das „Bahnland“ Sachsen-Anhalt für das Unternehmen eine entscheidende Rolle, so der Vorstandschef. Er und Haseloff lobten die gute Zusammenarbeit. Probleme, wie das äußere Erscheinungsbild vieler Bahnimmobilien oder die mangelnde Auslastung der neuen Direktverbindung Magdeburg – Berlin, sollten gemeinsam gelöst werden. Insgesamt setzt Grube offenbar auf eine Charmeoffensive. Sein Resümee: „Wir wollen ein sympathisches Unternehmen sein.“

Von Christian Wohlt

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